Benedictus heißt das neue Kultgetränk im Eichsfeld. Extra für diesen Tag hat eine örtliche Brauerei das Bier auf den Markt gebracht. Es ist dunkel und würzig. In Wingerode verkauft man es "to go" oder im Six-Pack.

Dort beginnt der Pilgerweg des Heiligen Bonifatius. Fünf Kilometer sind es nach Etzelsbach, zum Wallfahrtsort, an dem der Papst am Freitagabend zur Marienvesper erwartet wird. Da in Wingerode der nächstgelegene Bahnhof ist, herrscht in dem Örtchen im Nordwesten Thüringens reges Treiben. "Papst-Souvenirs" werden an jeder Ecke verkauft: Lederkreuze, Duftöle und Taschenlampen für den Heimweg. Dazwischen bewirbt ein großer deutscher Telefonanbieter sein neues Smartphone. 

Der Pfad führt hinter Wingerode die Felder hinauf. Von oben sieht man, wie die langen Pilgerstöme sternförmig zwischen Mais und Bäumen nach Etzelsbach marschieren. Neben jungen Familien mit Kinderwägen gehen Jugendliche, manche Rentner werden im Rollstuhl über die Schotterstraße geschoben. Keine Frage: Für die Eichsfelder ist dieser Tag ein Fest. Die Region ist strammkatholisch . Wer nicht nach Etzelsbach mitwollte, brauchte zu Hause schon eine gute Ausrede.

Von Weitem hört man bald Chormusik. Und nach einer letzten Kurve, sieht man die Talmulde und die Kapelle, vor der zwei Bühnen aufgebaut sind. Die Zuschauer stehen oder liegen am Hang davor. Bis vor Kurzem haben hier noch Kühe gegrast. Ursprünglich wollten die Eichsfelder die Burg Scharfenstein als Ort für den Papstbesuch. Das Ambiente dort soll feierlicher sein. Allerdings wäre der Sicherheitsaufwand bedeutend höher gewesen.

So fiel die Wahl letztlich auf Etzelsbach. Nach dem Olympiastadion am Donnerstag nun also ein hübscher, hügeliger Viehacker, auf dem einmal im Jahr feierlich Pferde geweiht werden. Der Bauer, dem es gehört, hat die Wiesen zur Verfügung gestellt. Die Kosten allein für das Pilgerfeld belaufen sich dennoch auf sechs Millionen Euro.

Laut offiziellen Angaben sind 90.000 Menschen gekommen. Zwar bleiben einige der oberen Wiesen-Ränge frei. Aber unten vor der Bühne ist der Andrang groß. Man ist höflich zueinander. Kaum jemand drängelt. Papst-Fans seien eben "keine Fußball-Hooligans", sagt Peter Kittel, der Chef-Planer der Veranstaltung.

Viele sind aufgekratzt vor lauter Vorfreude auf den Papst. Schwester Brigitta zum Beispiel, eine Marienschwester. Sie ist am Morgen mit dem Zug aus Koblenz angereist. Ihr gefällt, dass Benedikt XVI. "den Glauben ins Bewusstsein" rückt und traditionelle Werte predigt.

Andere finden ausgerechnet diesen Traditionalismus nicht so gut. Reinhard Salzmann ist Vorsitzender der Kirchengemeinde vom nahe gelegenen Kirchworbis. Er bezeichnet sich selbst als "kritischen Katholiken". Und davon, sagt er, gäbe es im Eichsfeld eine ganze Menge. Ihn stört die starre Haltung Benedikts, was das Zölibat und die Verhütung angeht. Außerdem fordert er, ähnlich wie Bundespräsident Wulff, Geschiedene, die wieder heiraten, nicht mehr von der Kommunion auszuschließen.