Die Anzahl der Straftaten nimmt kaum zu, doch die Schäden, die Wirtschaftskriminalität in Deutschland anrichtet, werden stetig größer. Das hat das Bundeskriminalamt (BKA) mitgeteilt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) registrierte im Jahr 2011 102.813 Fälle von Wirtschaftskriminalität. Damit stiegen die Straftaten um 1,5 Prozent zum vorangegangenen Jahr.

Der verursachte Schaden durch die Straftaten stieg gleichzeitig von 3,43 Milliarden Euro auf 4,66 Milliarden Euro und damit um rund 36 Prozent an. Obwohl nur 1,7 Prozent aller polizeilich registrierten Straftaten unter die Wirtschaftskriminalität fallen, sind mehr als die Hälfte des Gesamtschadens durch wirtschaftliche Straftaten entstanden. Der Gesamtschaden betrug 2010 etwa 8,4 Millionen Euro.

Das Internet wurde für Straftaten sehr viel häufiger benutzt als in vorangegangenem Jahr. Die Anzahl der Fälle stieg im Vergleich zu 2009 um 20.374, das sind mehr als 190 Prozent. Damit wurde 2010 in mehr als jedem vierten Fall das Internet genutzt.

BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, die erhöhte Kriminalität im Internet sei eine logische Konsequenz aus dem Konsumverhalten. Menschen würden das Internet immer häufiger für ihre Einkäufe nutzen. Diesem Verhalten passten sich die Kriminellen an.

91 Prozent der Wirtschaftsdelikte werden aufgeklärt

In einigen Bereichen ging die Wirtschaftskriminalität allerdings auch enorm zurück, so gingen die Anlage- und Finanzierungsdelikte und auch die Fälle im Kapitalbetrug um 38 Prozent zurück.

Die Aufklärungsquote ist bei Wirtschaftskriminalität deutlich höher als bei den anderen Straftaten. Während hier 91 Prozent der Fälle aufgeklärt wurden, wurden insgesamt nur 56 Prozent der Straftaten aufgeklärt. Die hohe Aufklärungsquote liegt unter anderem daran, dass der Geschädigte in der Regel den Täter kennt.

Allerdings gäben die Daten das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wieder, sagte Ziercke. Die Dunkelziffer schätzt er weit höher ein, da Unternehmen um ihr Image und ihren Ruf fürchteten, werde nur ein Teil der begangenen Wirtschaftsdelikte bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt.