Nach den Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien und Griechenland dachten sich die Türken: "Das muss was Schönes sein, das wollen wir auch!" Die Deutschen zierten sich ein wenig. Da aber die NATO eine stabile Türkei als Außenflanke und die deutsche Wirtschaft Arbeitskräfte brauchte, kam es zu dem Abkommen .
Kurz darauf standen in der Verbindungsstelle in Istanbul die türkischen Bewerber nackt in einer Reihe und unterzogen sich einer Gesundheitsprüfung. Die Arbeiter sollten ja arbeiten und nicht den Krankenkassen zur Last fallen. Wer die Auslese bestand, wurde mit dem Zug nach München geschickt. Auf Bildern sieht man junge Männer in ihrem Sonntagsanzug mit einem kleinen Koffer in der Hand. Sie kamen mit sehr viel Ehrfurcht, denn sie empfanden den deutschen Zivilisationsstand als erdrückend überlegen. Irgendwie müssen sich die Details des zweiten Weltkrieges nicht bis nach Anatolien rumgesprochen haben.
Das geplante "Rotationsprinzip" setzte sich nicht durch, denn die Wirtschaft wollte ihre einmal eingearbeiteten Arbeitskräfte nicht wieder hergeben. Zwischen Ende der 1950er Jahre und 1973, dem Jahr des Anwerbestopps, kamen aus allen Anwerberländern insgesamt 14 Millionen Menschen. 11 Millionen kehrten bis 1973 auch ohne Rotationsprinzip wieder in ihre Heimat zurück. Kann also nicht so doll gewesen sein in Deutschland.
Die, die blieben, hatten in den kommenden Jahrzehnten oft Gelegenheit, diese Entscheidung zu bereuen. Zunächst allerdings waren es die Kinder der türkischen Gastarbeiter, die die Entscheidung ihrer Eltern bereuten.
Nach dem Anwerberbestopp 1973 holten die meisten ihre Familien nach. Da kleine Kinder allerdings stören, wenn beide Elternteile im Schichtdienst in der Fabrik arbeiten, wurden die Kinder munter zwischen Deutschland und den Verwandten in der alten Heimat hin- und hergeschickt. Irgendwo zwischen der Akkordarbeit am Band und dem abendlichen Putzjob ging zuweilen das Gefühl dafür verloren, dass Kinder keine Gegenstände sind, die man beliebig oft woanders abstellen kann, ohne dass sie Schaden nehmen.
Später strauchelten diese Kinder durch ein Schulsystem, das so recht nichts mit ihnen anzufangen wusste. Zunächst wurden sie in rein türkische Klassen gesteckt, in denen sie von türkischen Lehrern unterrichtet wurden. Dann, nach der Integration in das reguläre Schulsystem, stellte man erstaunt fest, dass sie oftmals nicht genügend Deutsch sprachen. Wer es nicht gut konnte, wurde in Haupt- oder Sonderschulen gesteckt – als sei dass ein besonders geeigneter Ort, um Deutsch zu lernen.
Nach den Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien und Griechenland dachten sich die Türken: "Das muss was Schönes sein, das wollen wir auch!" Die Deutschen zierten sich ein wenig. Da aber die NATO eine stabile Türkei als Außenflanke und die deutsche Wirtschaft Arbeitskräfte brauchte, kam es zu dem Abkommen .
Kurz darauf standen in der Verbindungsstelle in Istanbul die türkischen Bewerber nackt in einer Reihe und unterzogen sich einer Gesundheitsprüfung. Die Arbeiter sollten ja arbeiten und nicht den Krankenkassen zur Last fallen. Wer die Auslese bestand, wurde mit dem Zug nach München geschickt. Auf Bildern sieht man junge Männer in ihrem Sonntagsanzug mit einem kleinen Koffer in der Hand. Sie kamen mit sehr viel Ehrfurcht, denn sie empfanden den deutschen Zivilisationsstand als erdrückend überlegen. Irgendwie müssen sich die Details des zweiten Weltkrieges nicht bis nach Anatolien rumgesprochen haben.