In Berlin sind mehrere Brandanschläge auf Bahn-Gleise verübt worden. In einer Tunneleinfahrt zum Hauptbahnhof entdeckte ein Bahnmitarbeiter gegen Mittag sieben Brandsätze in einem Kabelschacht. Wie die Bundespolizei mitteilte, waren die Sätze, die in etwa 200 Meter Entfernung vom Bahnhofsgebäude lagen, mit einem Zeitzünder versehen. Sie konnten unschädlich gemacht werden. Verletzt wurde niemand.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass sie bei einer Explosion enormen Schaden hätten anrichten können. Der Bahnhofstunnel wurde für rund eineinhalb Stunden für den Zugverkehr gesperrt und gegen 13.20 Uhr wieder freigegeben. Möglicherweise verzögerte auch das regnerische Wetter die Zündung der Brandsätze.

Am frühen Morgen hatten außerdem Unbekannte  einen Brandanschlag auf die Bahnstrecke Berlin-Hamburg verübt. Die mutmaßlichen Täter hatten nördlich von Berlin zwischen den brandenburgischen Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug Kabelschächte in Brand gesetzt und dadurch Signalkabel zerstört. 

 Zu diesem Anschlag bekannte sich eine linke Gruppierung. Man protestiere gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, hieß es in einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben. Außerdem setze man sich für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning ein. Das US-Militär wirft Manning vor, Interna an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Die Erklärung im Internetforum Indymedia  ist unterschrieben mit: "Das Hekla-Empfangskommitee – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen". Die Hauptstadt solle durch die Brandanschläge in den "Pausenmodus" gelegt werden, schreiben die Linksextremisten. Das Landeskriminalamt Brandenburg hält das Schreiben nach einer vorläufigen Bewertung für echt.

Auch für den Anschlag auf den Berliner Hauptbahnhof gebe es ein Bekennerschreiben, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Dieses werde noch ausgewertet. Die Brandsätze im Bahnhofstunnel und auf der Strecke nördlich von Berlin seien baugleich.

Hekla ist der Name eines isländischen Vulkans. Der Name eines Vulkans fand sich nach Informationen des Tagesspiegel auch in einem Bekennerschreiben zu einem ähnlichen Anschlag  am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Am 23. Mai hatte der Brand einer Kabelbrücke den S-, Regional- und Fernbahnverkehr lahmgelegt. Eine Gruppe namens "Das Grollen des Eyjafjallajökull" bekannte sich damals laut Tagesspiegel zu dem Anschlag.

Reparaturen dauern bis Dienstag

Von den aktuellen Anschlägen waren am Montag Tausende Reisende betroffen. Am Hauptbahnhof leitete die Bahn Fern- und Regionalzüge um. In Durchsagen an die Fahrgäste war von "Vandalismus" die Rede.

Auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg müssen sich Bahnreisende bis Mittwoch auf deutlich längere Fahrzeiten einstellen. Züge mit Abfahrt vor Mittwoch, 10 Uhr, seien zwischen beiden Städten voraussichtlich eine Stunde länger unterwegs, weil sie umgeleitet werden, teilte die Bahn mit.

Züge zwischen Berlin und Hamburg werden über Stendal und Wittenberge umgeleitet. Mehrere Regionallinien fahren nicht, es werden  Ersatzbusse eingesetzt. Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur bis Dienstagvormittag dauert.