Eine Leiche, ein Geschäft als Tatort, keine Zeugen – für die Hamburger Polizei sah der Mord an einem Obst- und Gemüsehändler am 27. Juni 2001 wie ein normaler Fall aus. Brutal – drei Schüsse in den Kopf aus zwei Feuerwaffen, traumatisch für die Angehörigen, aber lösbar für die Ermittler. Schließlich wurden im Jahr 2001 in ganz Deutschland 2.641 Tötungsdelikte begangen und 94,1 Prozent davon aufgeklärt. Doch diese Tat war anders.

Der Mord in Hamburg war einer der ersten in einer Serie , wie sie die Bundesrepublik noch nicht erlebt hat – 14 Tage zuvor war ein türkischer Änderungsschneider erschossen und ein Jahr zuvor ein türkischer Blumenhändler ermordet worden – beides geschah in Nürnberg. Zwei Monate nach der Hamburger Tat schlagen die Täter erneut zu: Wieder stirbt ein türkischer Gemüsehändler, dieses Mal in München. In den nächsten Jahren geht die Serie weiter.

Die Gemeinsamkeiten werden mit jedem weiteren Mord augenscheinlicher. Bei allen Taten wird eine tschechische Pistole der Marke Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65, verwendet. Acht Opfer stammen aus der Türkei, eines aus Griechenland.

Die Ermittler aus den verschiedenen Bundesländern tauschen ihr Wissen aus, das Bundeskriminalamt schaltet sich ein. 2001 übernimmt das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen. Doch der Fall ist knifflig: Das Opfer Süleyman Tasköprü gilt als unbescholtener, hart arbeitender Bürger. Es gibt kein Bekennerschreiben, keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren der Mörder, am Tatort kein Hinweis auf eine extremistische Gesinnung der Täter. Das Motiv ist völlig unklar.

Was trieb die Mörder an? Kurz nach der Tat heißt es in Hamburg, Süleyman Tasköprü soll ein Opfer der Drogenmafia sein, die Spuren der Täter würden nach Amsterdam führen. Dann wird über Schutzgelderpresser spekuliert, später über die radikale türkische Organisation Graue Wölfe oder die kurdische Terrorgruppe PKK. Noch 2009 vermuteten Hamburger Medien eine Verbindung zwischen der Wett-Mafia und der Mordserie.