Die Polizei hat einen weiteren mutmaßlichen Komplizen des rechtsextremen Trios festgenommen, das für die Mordserie an mindestens neun Ausländern und ausländischstämmigen Deutschen sowie einer Polizistin verantwortlich sein soll. Die Morde wurden in den Jahren 2000 bis 2007 verübt.

Der 37-jährige Holger G. aus der Nähe von Hannover werde dringend verdächtigt, Mitglied der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zu sein. Die Wohnung des Festgenommenen werde durchsucht, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

G. habe seit Ende der neunziger Jahre mit den übrigen Mitgliedern der NSU in Kontakt gestanden. Er habe deren fremdenfeindliche Einstellung geteilt und sei in dieselben rechtsextremistischen Kreise eingebunden gewesen. Er werde beschuldigt, den drei untergetauchten Mitgliedern der NSU im Jahr 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt zu haben. Zudem habe er mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet. Eines der Fahrzeuge sei bei dem Polizistenmord in Heilbronn benutzt worden.

Die Bundesanwaltschaft ermittle außerdem gegen Holger G., weil er sich möglicherweise direkt an den Mordtaten der NSU beteiligt habe. Am Montag solle er dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Von den drei übrigen mutmaßlichen Mitgliedern der terroristischen Vereinigung sind zwei tot, eine Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Friedrich spricht erstmals von Rechtsterrorismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt über die Mordserie. "Es ist ein außergewöhnliches Ereignis, dem man mit größter Sorgfalt nachgehen muss", sagte sie. Die Vorgänge ließen Strukturen erkennen, "die wir uns so nicht vorgestellt haben. Deshalb heißt es, immer wieder wachsam sein gegen jede Form von Extremismus. In diesem Fall wahrscheinlich auf Extremismus von der rechten Seite."

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sprach erstmals sogar von "Rechtsterrorismus" in Deutschland. "Es sieht so aus, als ob wir es tatsächlich mit einer neuen Form des rechtsextremistischen Terrorismus zu tun haben", sagte er. Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach von Terrorismus. Die Täter hätten mindestens 13 Jahre lang über das Bundesgebiet verteilt schwere Straftaten begangen, sagte er.

Die Täter wollten offenbar an die Öffentlichkeit gehen

Die Bundesanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass die Mordserie allein auf das Konto der beiden tot aufgefundenen Männer sowie der in Untersuchungshaft sitzenden Frau gehen. Die drei Personen waren zuletzt in einer Wohnung im sächsischen Zwickau untergetaucht. Die Frau hatte sich gestellt, nachdem sie nach Angaben der Ermittler das Haus, in dem sich die Wohnung befand, in Brand gesteckt hatte.

Nach Berichten des Tagesspiegels gibt es auch Hinweise auf eine geplante Propagandaoffensive. Neben der Tatwaffe fand die Polizei im Brandschutt DVDs und Briefumschläge, die an Nachrichtenagenturen und islamistische Einrichtungen adressiert waren. Die DVDs sollen Bilder enthalten, welche die Mordopfer kurz nach der Tat zeigen. Nach 13 Jahren im Untergrund hätten sie wohl als Bekenntnis veröffentlicht werden sollen. Weitere Anschläge sollten angekündigt werden.

Auf den DVDs bekennen sich die beiden Männer nach Berichten des Magazins Spiegel nicht nur zu mehreren Morden sondern auch zu einem Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von türkischen Bürgern bewohnten Straße in Köln 2004. Zudem erklärten sie, ihre Gruppe sei ein "Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz 'Taten statt Worte'".