Die 2007 in Heilbronn getötete Polizistin Michèle Kiesewetter könnte doch das Opfer eines gezielten Mordes gewesen sein. Zwischen der aus Thüringen stammenden Beamtin und der Zwickauer Neonazi-Zelle gibt es nach neuen Erkenntnissen von Ermittlern sehr wahrscheinlich eine engere Verbindung. Bei dem Mord habe es sich möglicherweise um eine Beziehungstat gehandelt, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vor dem Innenausschuss des Bundestages. Die Bundesanwaltschaft wollte die Spekulationen nicht kommentieren, aus Sicherheitskreisen wurde jedoch bestätigt, dass es sich um einen gezielten Mord gehandelt haben könnte.

Auch der Grünen-Innenpolitiker Wolfgang Wieland berichtete nach der Sitzung des Innenausschusses, dass es wohl Verbindungen zwischen dem aus Thüringen stammenden Opfer und der Zelle gegeben habe. "Das kann auch über Verwandte gelaufen sein, das kann auch eine Racheaktion zur Bestrafung von Verwandten dieser Polizistin gewesen sein", gab Wieland die Aussagen des BKA-Präsidenten Ziercke wieder.

Michèle Kiesewetter wurde am 25. April 2007 in Heilbronn auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet. Ihr Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma. In der vergangenen Woche hatte das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg noch erklärt, der Mord an der Polizistin habe wohl nichts damit zu tun, dass die Beamtin selbst aus Thüringen stammt. Dafür hätten keine Anhaltspunkte vorgelegen. Neben dem Mord an der Polizistin wird die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) um Beate Z., Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos für neun Morde an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung verantwortlich gemacht.

Koch mit gleichen Nachnamen

Über die konkreten Verbindungen der getöteten Polizistin zu den Mitgliedern der NSU gibt es unterschiedliche Meldungen. Nach Informationen der dpa soll die Familie Kiesewetters versucht haben, einen Gasthof in Thüringen anzumieten, der dann aber an einen Mann aus dem Umfeld des Zwickauer Trios gegangen sei. Die tote Polizistin habe jahrelang gegenüber dem Gasthof gewohnt. Zudem soll ihr Bruder in einem anderen Restaurant einen Koch mit demselben Nachnamen wie die Verdächtige Z. beschäftigt haben.

Dagegen berichtete sueddeutsche.de, dem Stiefvater Kiesewetters habe eine Kneipe in Thüringen gehört, die als Treffpunkt der rechtsextremen Szene gegolten habe. Dort habe dann der Koch mit dem Nachnamen Z. gearbeitet.

Weitere Verdächtige

Den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler zufolge hatte die Zwickauer Neonazi-Zelle mehr Unterstützer als bisher bekannt. Die Behörden hätten rund ein Dutzend Verdächtige und Beschuldigte im Visier, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nach der Sitzung des Bundestags-Innenausschusses. Die Ermittlungen liefen sehr intensiv. "Dieser Sumpf muss ausgetrocknet werden", sagte Friedrich. Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) sagte: "Weit über 300 Kriminalisten rekonstruieren jetzt 13 Jahre Tag für Tag."