Die unter Mordverdacht stehenden Mitglieder einer Neonazi-Gruppe sind möglicherweise auch für einen weiteren Anschlag in Köln verantwortlich. Das teilte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums mit. Dabei sei eine Deutsch-Iranerin 2001 durch eine Sprengfalle schwer verletzt worden. Hinweise auf die Urheberschaft des Anschlags seien auf der DVD der mutmaßlichen Mörder entdeckt worden, auf der sich die Neonazis bereits zu dem Nagelbomben-Anschlag 2004 in Köln bekannt hatten.

Zudem ermitteln die Behörden, ob die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Zwickau weitere, bislang ungeklärte Taten verübt haben. Dazu gehört auch ein Sprengstoffanschlag in Düsseldorf vom Sommer 2001. Bei einer Explosion am S-Bahnhof Wehrhahn waren zehn Aussiedler verletzt worden, einige von ihnen schwer.

Polizei überprüft Fall Mannichl

Das bayerische Landeskriminalamt überprüft einen weiteren spektakulären Fall: das Messerattentat auf den ehemaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichl. Falls es durch die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Terrorgruppe Hinweise oder neue Ermittlungsansätze gebe, werde der im Mai zu den Akten gelegte Fall neu aufgerollt, sagte ein Behördensprecher. Bisher seien den bayerischen Ermittlern aber noch keine solchen Hinweise übermittelt worden.

Womöglich werde Mannichl etwa mit Fotos der beiden zu dem rechtsextremen Trio zählenden Männern konfrontiert, die für insgesamt zehn Morde verantwortlich sein sollen. Mannichl war vor bald drei Jahren vor seiner eigenen Haustür von einem unbekannten Täter niedergestochen und schwer verletzt worden.

Der ehemalige Polizeichef war für sein engagiertes Vorgehen gegen die Neonazi-Szene bekannt geworden. Nach seiner Aussage soll der Täter vor dem Zustechen "viele Grüße vom nationalen Widerstand" gesagt haben. Trotz einer intensiven Fahndung vor allem in der rechtsextremen Szene und obwohl Mannichl den Angreifer gesehen hat, konnte dieser jedoch nicht ermittelt werden.

Die rechtsextreme Gruppe NSU hatte sich nie zu irgendwelchen Taten bekannt. Ihre Existenz war erst in der vergangenen Woche nach dem Fund von Beweismitteln in der Wohnung des Trios bekannt geworden. Die zwei Männer und eine Frau sollen für den Mord an einer Polizistin im Jahr 2007 in Heilbronn und für eine Mordserie gegen ausländische Kleinunternehmer mit neun Toten verantwortlich sein.