Das Boot war offenbar völlig überfüllt: Mindestens 200 Menschen waren an Bord, obwohl es nach Angaben der indonesischen Nachrichtenagentur Antara nur für 100 Passagiere zugelassen war. Rund 40 Seemeilen vor der Küstenstadt Prigi auf der Insel Java sank es, als es in einen Sturm geriet. Das Schiff wurde nach ersten Erkenntnissen von Schleppern eingesetzt, die unter anderem Afghanen und Iraker illegal nach Australien bringen wollten.

Am Samstag gelang es, mehrere Dutzend Menschen aus dem Wasser zu retten. Die indonesischen Behörden sprachen von 33 Überlebenden, die Australier von 87. "Nach unseren Informationen wurden 87 Menschen gerettet und zwei Leichen geborgen. Wir fürchten sehr um die anderen Menschen, die an Bord waren", sagte Innenminister Jason Clare im australischen Rundfunk. Die indonesische Küstenwache war mit Helikoptern im Einsatz, um das Meer abzusuchen.

"Überlebende berichteten, dass das Schiff einen Maschinenschaden hatte und durch den hohen Wellengang Wasser an Bord kam", sagte Edwin Purnama, einer der Rettungskräfte vor Ort, in einem Telefoninterview. "Wir gehen davon aus, dass sie nach Australien wollten." Das Boot habe nur wenig Rettungswesten an Bord gehabt, sagte ein anderer Helfer im Rettungszentrum in Surabaya, Adi Purnomo. "Wir fürchten, dass die anderen mit dem Schiff untergegangen sind, denn wir haben in den vergangenen 24 Stunden keine Überlebenden mehr gefunden."

Bis zu 5.000 Dollar kostet die Fahrt

Das Schiff war möglicherweise auf dem Weg zur Weihnachtsinsel, die rund 300 Kilometer vor der indonesischen Küste liegt und politisch zu Australien gehört. Die Flüchtlinge wollten in Australien Asyl beantragen. Nach bisherigen Erkenntnissen waren die meisten von ihnen von Dubai nach Jakarta geflogen worden, von wo aus sie mit Bussen zu einer Anlegestelle gebracht wurden. Die Flüchtlinge zahlten an die Schlepper zwischen 2.500 und 5.000 Dollar, wie Kelik Purwato vom Rettungszentrum im indonesischen Trenggalek erläuterte. 

Jedes Jahr versuchen Hunderte Flüchtlinge per Boot den fünften Kontinent zu erreichen. Die australische Marine findet viele der Schiffe vorab und transportiert die Flüchtlinge in ein Lager auf der Weihnachtsinsel. Vor einem Jahr kamen dort 50 Flüchtlinge ums Leben, weil ihr Boot in schwerer See an den Klippen zerschellte.

In Australien begann nach den ersten Nachrichten über das Unglück einmal mehr die Debatte über die Einwanderungspolitik des Landes. "Unsere Gedanken sind bei den Toten und ihren Familien", sagte Innenminister Clare. "Immer wenn Menschen eine gefährliche Reise unternehmen und ihr Leben aufs Spiel setzen, macht mich das betroffen." Ian Rintoul vom Flüchtlingsrat sagte, solche Worte seien "scheinheilig", solange die Einwanderungsmöglichkeiten nicht verbessert würden.