Vor der Verleihung des Friedensnobelpreises am Samstag in Oslo haben fünf Preisträger die sofortige Freilassung des chinesischen Bürgerrechtlers Liu Xiaobo gefordert. Ein Jahr nach der Auszeichnung sei Liu Xiaobo der einzige Nobelpreisträger, der bis heute in Haft gehalten werde. Zu den Anklägern gehören der südafrikanische Bischof Desmond Tutu und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel.

In ihrem Appell beklagten sie, dass die Welt den inhaftierten Dissidenten zu vergessen scheine. Seine Frau Liu Xia stehe ein Jahr nach der Vergabe des Friedensnobelpreises immer noch in ihrer Pekinger Wohnung unter Hausarrest. Auch seine Freunde stünden unter Druck. Die gemeinsame Erklärung wurde von der amerikanischen Menschenrechtsorganisation Freedom Now verbreitet.

Der 56 Jahre alte Liu Xiaobo sitzt eine elfjährige Haftstrafe ab. Wegen seiner Bemühungen für einen demokratischen Wandel in China wurde er der Untergrabung der Staatsgewalt beschuldigt. Mehr als zwei Dutzend Menschenrechtsorganisationen forderten seine Freilassung, darunter Amnesty International (AI) und Chinese Human Rights Defenders (CHRD).

Messlatte für den Umgang mit China

"Das Schicksal von Liu Xiaobo und Liu Xia ist symptomatisch für den wachsenden Eifer der chinesischen Regierung, abweichende Meinungen mit allen Mitteln auszumerzen", sagte die Asien-Direktorin von AI, Catherine Baber. Die zunehmend mächtigeren Polizei- und Sicherheitskräfte könnten ungestraft Personen ohne rechtliche Aufsicht festhalten. Barber warf ihnen auch Folter und Misshandlung vor.

Die Organisation Human Rights Watch forderte, Fortschritte in einzelnen Menschenrechtsfällen zur "Messlatte" im Umgang mit China zu machen.

In diesem Jahr geht der Friedensnobelpreis an drei Vorkämpferinnen für Frauenrechte – die Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman.