Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffs  Costa Concordia hat nach Angaben der Reederei Costa die Route eigenmächtig geändert. Das sagte Geschäftsführer Heiko Jensen am Montag in Hamburg . Nach derzeitigem Ermittlungsstand scheine menschliches Versagen der Schiffsführung zu dem Unglück mit mindestens sechs Toten geführt zu haben.

Falsche Seekarten seien hingegen nicht schuld an der Havarie gewesen. Der Felsen sei auf den Karten eingezeichnet, sagte Jensen. Zudem habe die Einschätzung des Kapitäns bei dem Unglück nicht "den von Costa vorgegebenen Standards" in einem solchen Notfall entsprochen. Die Crew dagegen habe bei der Rettung der mehr als 4.000 Passagiere sehr umsichtig gehandelt.

Zuvor hatte bereits der Chef von Costa Crociere, Pier Luigi Foschi, dem Kapitän eine Mitschuld gegeben: "Die Firma steht dem Kapitän bei und wird ihm alle notwendige Unterstützung gewähren. Aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen und können menschliches Versagen nicht bestreiten", sagte Foschi.

Francesco Schettino, der seit 2002 für die Reederei arbeitet und 2006 zum Kapitän ernannt wurde, habe die Bestimmungen des Unternehmens verletzt und das Unglück verursacht. "Die Route des Schiffs führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei, wobei sich die Einschätzung des Kapitäns für einen Notfall nicht mit den von Costa vorgegebenen Standards deckte", hieß es bereits in einer in der Nacht in deutscher Sprache verbreiteten Erklärung des Unternehmens.

Mehr Deutsche vermisst als bislang bekannt

Die italienischen Behörden teilten mit, dass noch 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder vermisst werden. Zwölf dieser Passagiere stammen aus Deutschland. Die Zahl war im Laufe des Tages um fünf gestiegen. Der Sohn eines Ehepaares aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren habe am Samstagabend eine Vermisstenanzeige gestellt, sagte ein Polizeisprecher. Nach dem Unglück am Freitagabend habe er noch einmal mit seinem 72-jährigen Vater und der 68-jährigen Mutter telefoniert. Seitdem habe er keinen Kontakt mehr gehabt.

Auch ein Paar aus Berlin gilt noch als vermisst. Zudem ist der Verbleib von sieben Senioren aus Hessen und Baden-Württemberg unklar. Sie gehörten offenbar einer größeren Reisegruppe auf der Costa Concordia an. Eine Passagierin aus Bayern ist auch noch nicht gefunden worden.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, es werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, den Verbleib der betreffenden Passagiere aufzuklären. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt und die deutsche Botschaft in Rom seien in ständigem Kontakt mit dem Kreuzfahrtunternehmen und den italienischen Behörden.  

Inzwischen haben die Rettungskräfte ihre Suche nach möglichen Überlebenden und Opfern wieder aufgenommen. Alle über Wasser liegenden Bereiche des teilweise versunkenen Wracks seien bereits durchsucht worden, teilte die Feuerwehr mit. Damit dürfte es kaum noch Hoffnung geben, weitere Überlebende zu finden.

Die Bergungsarbeiten rund um das Schiff waren zeitweise unterbrochen worden, nachdem das auf Grund gelaufene Schiff an den Felsen in Bewegung geraten und neun Zentimeter tiefer gerutscht war. Um die Rettungskräfte nicht zu gefährden, waren umgehend alle Kräfte vom Schiff abgezogen worden. Nun sei die Stabilität des Schiffes überprüft worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Wind in der Region um die Insel Giglio und der Wellengang hätten nachgelassen.

Befürchtungen über eine drohende Verschmutzung des Meeres bewahrheiteten sich zunächst nicht. Umweltexperten hatten gewarnt, dass die Costa Concordia volle Tanks mit besonders umweltgefährlichem Schweröl hatte und dies auslaufen könnten. Daraufhin war um das Wrack eine Ölbarriere errichtet worden. Der italienische Umweltminister Corrado Clini hatte angekündigt, den Notstand auszurufen. Jedoch gebe es laut Clini bislang keine Anzeichen dafür, dass Treibstoff ins Meer geflossen sei.