Dresden hat am Montag der Opfer der Bombenangriffe auf die Stadt und ihrer Zerstörung vor 67 Jahren gedacht. Mehr als 13.000 Menschen bildeten am Nachmittag eine Menschenkette um die Innenstadt und setzten damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert bezeichnete die Aktion als "klares Bekenntnis gegen Nationalsozialismus, Rassismus und Gewalt". Das allein reiche aber nicht. Es gehe auch darum, Alltagsrassismus und Intoleranz zu bekämpfen. 

Die Menschenkette zog sich etwa 3,6 Kilometer lang über die Elbe durch Alt- und Neustadt. Um 18.00 Uhr reichten sich die Teilnehmer für zehn Minuten die Hände und schlossen den Ring. Unter ihnen waren auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der frühere Regierungschef Kurt Biedenkopf . Zudem waren zahlreiche Bundespolitiker sowie der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, angereist.

Auf dem Heidefriedhof wurde zuvor offiziell der Toten der Bombennacht am 13./14. Februar 1945 gedacht. Etwa 200 Menschen zogen zur letzten Ruhestätte vieler Opfer, legten weiße Rosen als Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt nieder. Bei den Luftangriffen britischer und amerikanischer Bomber auf Dresden starben mindestens 25.000 Menschen. Weite Teile der historischen Altstadt wurden zerstört.

Neonazi-Aufmarsch durch Gegendemonstrationen verkürzt

Am Abend versammelten sich etwa 1.000 Neonazis aus ganz Deutschland zu einem Fackelmarsch durch die Stadt. Dieser kam jedoch nur stockend voran, da an der Strecke mehrere Tausend Gegendemonstranten zusammengekommen waren. Das Anti-rechts-Bündnis "Dresden nazifrei" sprach von 5.000 bis 6.000 Teilnehmern. Sie protestieren mit Bannern, Plaketen und "Nazis raus"-Rufen. Zudem hatten sie mehrere Straßenblockaden errichtet, weshalb die Marschroute deutlich verkürzt werden musste.

Zu der Demonstration waren weit weniger Neonazis angereist als von den Organisatoren erwartet. Diese hatten mit rund 2.000 Teilnehmern gerechnet. "Dresden nazifrei" und andere antifaschistische Initiativen hatten im Vorfeld zu den Protesten und Blockaden aufgerufen. Diese waren unter dem Motto "Mit Mut und Toleranz – Dresden bekennt Farbe" als friedliche Gegendemonstrationen angekündigt. Laut Polizei kam es zu keinen Zwischenfällen.

Im vergangenen Jahr war es Tausenden Gegendemonstranten gelungen, den Aufmarsch der Rechten zu blockieren. Damals war es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Rechten, Linken und der Polizei gekommen. Blockaden gelten in Sachsen als Straftat, die Justiz ermittelt noch gegen Teilnehmer vom Vorjahr wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Ein Großaufgebot von 5.800 Beamten aus mehreren Bundesländern sowie der Bundespolizei sollte in diesem Jahr Ausschreitungen zwischen Linken und Rechten verhindern.