Die Bundesanwaltschaft wird voraussichtlich im Herbst Anklage wegen der rechtsextremistischen Mordserie der Zwickauer Zelle vorlegen. Generalbundesanwalt Harald Range sagte, bis dahin könnten genügend Beweise vorliegen . Die Aufklärung schreite zügig voran, sagte er der Süddeutschen Zeitung .

Der Nachweis, dass Beate Zschäpe zur Terrorzelle gehöre, werde voraussichtlich gelingen. Dafür spreche etwa, dass sie mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos jahrelang im Untergrund gelebt habe. Zudem sei ein Indiz, dass sie ihre Wohnung angezündet habe, um Beweismittel zu vernichten.

Anhaltspunkte dafür, dass sie unmittelbar an den Verbrechen beteiligt gewesen sei, gebe es aber nicht. Unklar sei auch noch, ob der Zelle über die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie einer Polizistin weitere Mordtaten zuzurechnen sind. Allerdings dürfte die Gruppe für weitere Banküberfälle verantwortlich sein, sagte Range.

Range: NSU hat sich intelligent abgeschottet

Die Taten der Zwickauer Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund ( NSU ) sind nach Einschätzung des Generalbundesanwalts Ausdruck eines geschlossenen nationalsozialistischen Weltbilds: "Es ging ihnen um die Vernichtung von Menschen, nur weil diese anderer Herkunft waren."

Range hält sie allerdings für deutlich versierter als jene "Dumpfbacken" , die "ausländerfreie Zonen" propagierten: "Der NSU-Terror ist eine durchaus überlegte Form: Wer kann sich schon so intelligent abschotten in unserer Gesellschaft, die so viele Möglichkeiten der Kontrolle hat?" Niemand habe an Terroristen gedacht, die ihre Verbrechen ohne öffentliche Propaganda verübt haben könnten. Dies sei wohl eine wesentliche Ursache dafür, dass die Taten so lange unentdeckt geblieben seien.

Der rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie war erst nach zehn Jahren und nur durch Zufall entdeckt worden. Anfang November hatten Böhnhardt und Mundlos in einem Wohnmobil in Eisenach Selbstmord begangen. Später wurden in ihrer Zwickauer Wohnung die Tatwaffen und ein Bekenner-Video entdeckt. Als Konsequenz aus den Ermittlungspannen in dem Fall hat der Bundestag einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.