"Mordkomplott": so lautet die Überschrift eines vertraulichen Dokuments, das aus den Hinterzimmern des Vatikans den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Ziel des Komplotts soll Benedikt XVI. sein. Das behauptet ein Text, der von der italienischen Tageszeitung Il Fatto Quotidiano veröffentlicht wurde.

Die Geschichte könnte aus einem Dan Brown-Roman stammen. Während einer Reise nach China spricht der Erzbischof von Palermo Paolo Romeo mit einigen italienischen Unternehmern. Er beschwert sich über die Streitigkeiten innerhalb der Vatikanregierung, der römischen Kurie. Benedikt XVI., sagt Romeo, beschäftige sich zu viel mit der Doktrin und zu wenig mit den Staatsangelegenheiten. Die überlasse er lieber dem Staatssekretär Tarcisio Bertone , den er angeblich heimlich hassen würde.

Viele in der Kurie, so der Erzbischof weiter, wünschten sich deshalb einen neuen Papst. Der Name des möglichen Nachfolgers stünde übrigens schon fest: Angelo Scola, Erzbischof von Mailand . Man müsse im Übrigen nicht lange warten: Benedikt habe sowieso nur noch zwölf Monate zu leben. Romeo bestreitet, all dies gesagt zu haben.

Aber es entstand daraus ein Protokoll, das eine düstere Schlussfolgerung zieht: Einige Kardinale sollen den Tod des Papstes geplant haben. Das Protokoll, das in perfektem Deutsch verfasst sein soll, sei anschließend vom kolumbianischen Kardinal Dario Castrillón Hoyos aus China nach Rom gebracht worden. Auf dem Weg zur Staatskanzlei wurde es kopiert und an die Redaktion von Il Fatto weitergeleitet.

Die Geschichte ist viel zu wirr, um glaubwürdig zu sein. Sie sei "verrückt und absurd", sagt auch der Pressesprecher des Vatikans Federico Lombardi . Die Existenz des Dokuments streitet aber Vater Lombardi nicht ab. Eins steht fest: Jemand im Vatikan wollte, dass die Öffentlichkeit über die Streitigkeiten in der Kurie erfährt.

Das "Mordkomplott-Protokoll" ist nicht das einzige Dokument, das in den letzten Monaten aus den Mauern des Vatikans geschmuggelt wurde. Alle diese Dokumente verbindet, dass sie eine explizite Kritik an der Arbeit des vatikanischen Staatssekretärs Tarcisio Bertone enthalten.

Die ersten Signale für den wachsenden Unmut gegen Bertone kamen schon vor zwei Jahren. Unter den Depeschen der US-Diplomaten, die 2010 von WikiLeaks veröffentlicht wurden, befanden sich einige Berichte über die vatikanische Innenpolitik. Dort wurde Bertone als "Yes Man" und "Informationsfilter" des Papstes bezeichnet. Schon damals forderten viele Kardinäle explizit den Rücktritt des Staatssekretärs.

Letzten Sommer veröffentlichte dann eine italienische Wochenzeitung einen anonymen Drohbrief gegen Bertone. Ende Januar wurden einige Briefe des ehemaligen Sekretärs des vatikanischen Verwaltungsrats, Carlo Maria Viganò, veröffentlicht. In diesen Briefen beschwerte sich Viganò ausdrücklich über Bertone, der versucht habe, seine Kampagne für mehr Transparenz im Vatikan zu stoppen.