Ideologisch stehen sie denkbar weit auseinander: Papst Benedikt XVI. und Kubas Staatschef Raúl Castro . Der empfing den 84-jährigen Besucher nun mit militärischen Ehren vor dem Palast der Revolution. Anschließend zogen sich die beiden zu einem 40-minütigen Gespräch zurück.

Dabei ging es vor allem um das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in dem kommunistischen Land. Es sei auch über die humanitäre Lage in Kuba gesprochen worden, nicht aber über konkrete Fälle politischer Gefangener , sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi .

Während des Gesprächs äußerte der Papst laut seinem Sprecher zudem die Erwartung, dass die kubanische Kirche eine größere Rolle in moralischen und sozialen Fragen spielen solle. Der Papst habe zudem vorgeschlagen, dass der Karfreitag in Kuba zum Feiertag erklärt werde, sagte Lombardi. Er erinnerte daran, dass Benedikts Vorgänger Johannes Paul II . bei seinem Besuch in Kuba 1998 einen entsprechenden Vorschlag für Weihnachten gemacht und damit beim damaligen Staatschef Fidel Castro Erfolg gehabt habe.

Nach weniger als einer Stunde traten Castro und sein Gast vor den Palast und winkten den Fotografen und Kameraleuten auf dem Platz der Revolution zu. Während des Treffens schenkte Castro dem Papst eine anderthalb Meter große Statue der Barmherzigen Jungfrau von Cobre, der Schutzheiligen Kubas. Benedikt XVI. überreichte seinem Gastgeber eine Neuauflage der Geographia des griechischen Gelehrten Ptolemäus.

Wenig Kritik am System in Kuba

Parallel zu dem Treffen trafen sich im Palast der Revolution ranghohe Vertreter des Vatikans mit Vertretern der kubanischen Führung. Sie hätten über die "Rolle der Kirche in der Gesellschaft" und die "Entwicklung der kirchlichen Aktivitäten" gesprochen sowie über die "zahlreichen Botschaften humanitärer Art, die der Vatikan in Bezug auf Menschen in Schwierigkeiten erhalten" habe, sagte Lombardi. Aufgrund des Zeitmangels hätten die Gesprächsteilnehmer nicht ins Detail gehen können.

Mit Blick auf die Kritik der kubanischen Opposition, dass Benedikt XVI. in Kuba weder Regierungsgegner treffen und noch explizit Reformen fordern wollte, sagte Lombardi, der Papst sei "als Pastor gekommen, der den Glauben der Menschen wiederbelebt und stärkt". "Er ist nicht der Herr über die Gesetze und Lösungen in einem Land, er kann nicht auf direkte Weise einwirken."

Mögliches Treffen mit Fidel Castro

Vor seiner Rückreise könnte Benedikt auch den schwer kranken Fidel Castro besuchen. Er werde Papst Benedikt XVI. "gerne" treffen, so wie er 1998 dessen Vorgänger Johannes Paul II. getroffen habe, schrieb Castro in einem Artikel, der auf der offiziellen Website Cubadebate veröffentlicht wurde. Er habe um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten, sagte Castro.

Der Besuch von Benedikt in Kuba kommt 14 Jahre nach der historischen Reise seines Vorgängers Johannes Paul II. Dieser rief damals Fidel Castro auf, politische Gefangene freizulassen, Abtreibungen nicht länger zuzulassen und der katholischen Kirche ihren Platz in der Gesellschaft zu geben. Benedikt äußerte sich zurückhaltender. Er mahnte die Führung nur vorsichtig zu Reformen, die das Volk wünsche, und kritisierte gleichzeitig die Auswüchse des Kapitalismus.

Kurz nach dem Papst-Besuch bei Castro erreichte eine Flotille mit Exil-Kubanern aus Florida die internationalen Gewässer nahe Kuba, wie die Organisatoren mitteilten. Die Aktivisten schossen dort nach eigenen Angaben Feuerwerke ab, die sie "Lichter für Demokratie" nannten. Nach Oppositionsangaben waren vor der Ankunft des Papstes in Kuba Dutzende Dissidenten vorübergehend festgenommen worden.