Nach einem der schwersten Zugunglücke in der Geschichte Polens suchen die Rettungskräfte weiter nach Vermissten. Am Sonntagmittag haben die Helfer zwei weitere Todesopfer geborgen. Erst wenn alle Teile des Zuges durchsucht worden seien, könnten weitere Todesfälle ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Retter setzten Spürhunde ein, um eingeschlossene Passagiere ausfindig zu machen.

Im Süden Polens waren am Samstagabend zwei Züge frontal miteinander kollidiert, weil ein Interregio auf der Fahrt von Warschau nach Krakau auf dem falschen Gleis fuhr. Er stieß mit einem entgegenkommenden Zug zusammen, der aus der Stadt Przemysl in Richtung der Hauptstadt fuhr.

Die Unglücksursache bleibt weiter unklar

Mindestens 16 Menschen wurden getötet, etwa 60 weitere verletzt. Das Unglück ereignete sich nach offiziellen Angaben gegen 21 Uhr in der Nähe der Ortschaft Szczekociny, rund 80 Kilometer nördlich von Krakau in der Woiwodschaft Schlesien . Durch die Wucht des Aufpralls wurden Waggons zusammengedrückt, andere lagen auf der Seite.

Weshalb der Interregio auf dem falschen Gleis fuhr, blieb weiter unklar. Die Ermittler versuchen zurzeit noch, am Unglücksort möglichst viele Spuren zu sichern. Die zuständige Staatsanwaltschaft konnte allerdings ausschließen, dass einer der Zugführer unter Alkoholeinfluss stand.

Insgesamt befanden sich etwa 370 Menschen an Bord der beiden Züge. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da die Unglücksstelle abgelegen liegt und nur über einen Feldweg neben den Gleisen zu erreichen war. Mit schwerem Gerät versuchten die Rettungskräfte, die verkeilten Teile der Züge auseinanderzuziehen.

"Es fühlte sich an wie ein Schlag", berichtete ein Überlebender dem Fernsehen. "Alles flog durcheinander, wir flogen wie Taschen durch das Abteil. Wir konnten Schreie hören. Wir haben gebetet." Unter den Passagieren waren viele Menschen aus der Ukraine sowie französische und spanische Reisende. Die Zugstrecke gehört zu den am stärksten befahrenen Routen in Polen.

Ein ähnlicher Unfall wie vor 18 Jahren

Nach Berichten von tagesschau.de hatte es auf derselben Strecke zwischen Warschau und Krakau schon vor 18 Jahren einen frontalen Zusammenstoß zweier Züge gegeben, nur wenige Kilometer von der aktuellen Unglücksstelle entfernt. Damals starb ein Mensch, sieben wurden schwer verletzt. Die Ermittlungen ergaben damals, dass einer der Zugführer ein Stoppsignal nicht beachtet hatte.

Eigentlich sollte die Strecke inzwischen sicherer sein, sagte Bartlomiej Gorlewski, Transportexperte der Warschauer Hochschule SGH auf tagesschau.de: ''Ein frontaler Zusammenstoß ist das schlimmste aller möglichen Zugunglücke. Bei den heutigen Sicherheitsstandards dürfte es im Grunde nie dazu kommen.'' Die Strecke sei zudem erst vor Kurzem modernisiert worden.