Der in Toulouse getötete Mordverdächtige Mohamed M . stand nach US-Regierungsangaben auf der No-fly-Liste für Terror-Verdächtige. Dort erfassen nationale Sicherheitsbehörden Personen, von denen sie meinen, dass sie ein Flugzeug zum Absturz bringen könnten.

Die Liste ist die schärfste ihrer Art, auf ihr sind etwa 4.000 Namen verzeichnet. Wer darauf steht, darf mit einem Flugzeug weder innerhalb der USA reisen in noch das Land hinein oder aus ihm heraus. Die Liste wird geführt vom Terrorist Screening Center, das unter der Obhut der Polizei-Bundesbehörde FBI arbeitet. Sie verarbeitet Informationen, die von anderen Regierungsbehörden kommen.

Nach Informationen aus internen Kreisen hatten US-Sicherheitsleute M. zudem für kurze Zeit in Afghanistan in Haft genommen. Unklar blieb, wann das war und was mit M. danach passierte.

Training in Afghanistan

Offiziell bekannt gegeben wurde bisher, dass M. 2010 in Afghanistan war, um an einem Training islamistischer Militanter teilzunehmen. Er habe an der afghanisch-pakistanischen Grenze einige Zeit mit Gleichgesinnten verbracht, sei gefangen genommen worden und wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Laut französischer Angaben war M. auch danach noch in Afghanistan, kehrte aber selbstständig nach einer Hepatitis-Erkrankung wieder nach Frankreich zurück.

M. – ein Franzose algerischer Herkunft – hatte seine Taten gegenüber der Polizei indirekt zuzugeben. Bei drei Mordanschlägen waren insgesamt sieben Menschen erschossen worden. An einer jüdischen Schule in Toulouse starben drei Kinder und ein Lehrer, in Toulouse und Montauban drei Fallschirmjäger nordafrikanischer Herkunft. Der Islamist gab Rache für palästinensische Kinder als Motiv an. Er handelte nach eigenen Worten im Namen von Al-Kaida. Am Donnerstag starb er in einem Schusswechsel mit einer Eliteeinheit der Polizei, nachdem die seinen Rückzugsort im Toulouser Stadtviertel C ô te Pavée etwa 30 Stunden lang belagert und schließlich gestürmt hatte.

Die Europäische Union brachte als Konsequenz eine Speicherung von Fluggastdaten nach US-Vorbild ins Gespräch. Ein Passagiernamensregister wie in den USA könnte helfen, Reisen von Verdächtigen nachzuvollziehen, egal ob sie der Polizei bekannt seien oder nicht, sagte EU-Antiterrorkoordinator Gilles de Kerchove. Einige Hundert Europäer seien nach Informationen von Geheimdiensten in Kriegsgebieten im Ausland gewesen und später in ihre Heimat zurückgekehrt. So könnten EU-Behörden auch gegen "einsame Wölfe" vorgehen , also Einzelkämpfer ohne Unterstützung durch ein größeres Netzwerk.

Oberstes Ziel, M.  lebend zu fassen

Unterdessen regt sich in Frankreich Kritik am Polizeieinsatz. Der Mordverdächtige M. starb schließlich durch den Kopfschuss eines Scharfschützen, als er – immer noch feuernd – aus dem Fenster des Badezimmers der Wohnung sprang. Unter Sicherheitsfachleuten ist dieses Vorgehen der Eliteeinheit umstritten. Es müsse gefragt werden, warum es der Elitetruppe Raid als "bester Einheit" der französischen Polizei nicht gelungen sei, einen einzelnen Mann lebend zu fassen, sagte der Gründer einer anderen französischen Spezialeinheit, Christian Prouteau, der Zeitung Ouest France. Die Operation sei "ohne klares taktisches Schema" ausgeführt worden. Frankreichs Innenminister Claude Guéant hatte als oberstes Ziel angegeben, M. lebend zu fassen, um ihn vor Gericht stellen zu können.

Prouteau sagte, gegen den in einer Wohnung verbarrikadierten M. hätte Tränengas eingesetzt werden müssen. "Das hätte er keine fünf Minuten ausgehalten." Die Spezialkräfte hätten den 23-Jährigen mit ihrem Vorgehen während der Belagerung dagegen dazu "bewegt, seinen 'Krieg' fortzuführen". Die von Prouteau gegründete Gendarmerie-Spezialeinheit GIGN gilt als so etwas wie die Konkurrenz der Raid.

Raid-Chef Amaury de Hauteclocque sagte der Le Monde, M. habe die Polizisten mit einer "unerbittlichen Entschlossenheit" erwartet. "Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich jemanden gesehen habe, der uns angreift, obwohl wir ihn gerade angreifen."