In Integrationskursen ist eines der Themengebiete "Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft". Ich komme nicht umhin zu fragen, warum nur Ausländer darin unterrichtet werden, wenn doch zum Zusammenleben zwei Seiten gehören. Oder hat sich die deutsche Regierung vielleicht in der Vokabel geirrt und meint eigentlich Assimilationskurse? 

Ohne Zweifel müssen Migranten die Regeln der Aufnahmegesellschaft kennen und sich daran halten. Aber reicht das? Man kann sich zwei Kinder beim Spielen vorstellen: Anton spielt ein Spiel, Anna kommt hinzu und möchte mitspielen. Anton erklärt ihr die Spielregeln, aber das Zusammenspiel funktioniert nur, wenn Anton bereit ist, Anna auch mitspielen zu lassen.

Ein persischer Dichter sagte einmal, du bist dann zu Hause, wenn du nach deinem Namen gefragt ihn nicht buchstabieren und wiederholen musst. Die Reaktionen auf meinen Namen sind amüsant. Natürlich habe auch ich eine Eselsbrücke für meinen Vornamen: "Yasaman. Wie Wassermann nur mit Y." Nicht selten werde ich dann gefragt: "Und wie heißt du mit Vornamen?" Häufig höre ich auch: "Yasaman, das ist doch Jasmin." Nein, ist es nicht. Genauso wenig, wie Kathrin Karolin ist. 

Ich habe das Abitur erfolgreich abgeschlossen, Psychologie studiert und bin heute Doktorandin. Dennoch spüre ich in Deutschland eine subtile Botschaft, die lautet: Du gehörst nicht dazu. Wenn ich erzähle, dass ich im Alter von sechs Jahren nach Deutschland kam, fühlen sich Deutsche oft zu der anerkennenden Aussage hingerissen: "Dafür sprichst du aber gut Deutsch!" Ist das ein Kompliment? Ich weiß nicht. 

Auch die allzu offensichtlich zur Schau gestellte Kenntnis der fremden Bräuche und Sitten ist nervig. Wenn meine Mutter beim Metzger Fleisch kauft, wird sie regelmäßig an ihre religiösen Pflichten erinnert. "Da ist aber Schwein drin." Als sie ein paar Tage hintereinander Gurken mit zur Arbeit nahm, wurde sie gefragt, ob Gurkenessen eine persische Tradition sei.

Ich habe meinen Kollegen neulich erzählt, dass in einem iranischen Pass einer Frau ein Foto mit Kopftuch kleben muss. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich denn auch mal eine "Kopftuch-Phase" hatte. Scheinbar hinterlassen Fernsehbilder, die eine Ansammlung Tschador-tragender Frauen in Teheran zeigen, einen starken Eindruck – einen stärkeren als der Mensch, der einem gegenübersteht. Ich frage doch auch nicht, ob jemand eine Kloster-Phase hatte und schon einmal Nonne war!

Wenn Integration kein einseitiger Prozess sein soll, dann müssen Ausländer und Deutsche gleichermaßen daran beteiligt sein, am besten schon in der Schule. Zusammenspielen macht Spaß, es müssen nur beide Seiten dazu bereit sein.