Wir haben uns – schon seit den Attentaten vom 22. Juli – Gedanken gemacht, wie wir mit Breivik umgehen. Früh haben wir uns entschlossen, seine Posen, die Triumphgesten, seine Fotos in Uniform nicht abzubilden. Wir haben bewusst darauf verzichtet , sein Privatleben auszuschlachten. Ebenso bewusst aber haben wir uns dafür entschieden, uns mit seiner Ideologie und ihrer Gefährlichkeit intensiv auseinanderzusetzen. Auch werden wir weiterhin Fotos von Breivik im Gerichtssaal zeigen, solange er dort sitzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Medien die Frage stellen, wie mit einem solchen Fall umzugehen sei. War es richtig, 1961 detailliert über den Prozess gegen den Nationalsozialisten Adolf Eichmann zu berichten? War es richtig, diesen Vollstrecker der "Endlösung" so ausführlich zu Wort kommen zu lassen? Was seinerzeit umstrittenen war, gilt heute als mutige und wichtige Entscheidung im Sinne der Aufklärung. Ebenso stellt kaum einer infrage, dass Medien über die mörderischen Thesen radikaler Islamisten berichten. Auch deren Attentate in New York , London oder Madrid waren ein Erfolg, wenn man die Ideologie der Planer zugrunde legt. Dennoch wurde den Medien selten vorgeworfen, sie würden Hassbotschaften zu verbreiten helfen.

Im Fall von Anders Behring Breivik scheint dies anders. Warum? Wird seine Ideologie als ansteckender gesehen? Dann müssten wir erst recht darüber berichten. Denn nur die Beschäftigung mit dem Furchtbaren führt zu Erkenntnis. Die Augen zu verschließen, macht blind.