Die Teilnehmer der Islamkonferenz haben mit Besorgnis und Kritik auf die Aktivitäten der radikalen Salafisten in Deutschland reagiert. "Der Absolutheitsanspruch der Salafisten ist nicht vereinbar mit unserem Grundgesetz", sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ). Diese Position sei von der Konferenz bekräftigt worden. "Wir sind uns alle einig, dass salafistischer Extremismus nicht akzeptabel ist", sagte er. Auch die muslimischen Verbände hätten sich überwiegend "sehr eindeutig" gegen den Salafismus positioniert.

Die Salafisten hatten mit dem Verteilen von kostenlosen Koran-Exemplaren im Rahmen ihrer Missionierungs-Aktion "Lies!" für Unmut gesorgt. Auf der Islamkonferenz trafen Vertreter muslimischer Verbände und Einzelpersonen mit Politikern aus Bund, Ländern und Kommunen zusammen – eigentlich um über Geschlechtergerechtigkeit und die Arbeitsmarktchancen von Muslimen zu sprechen. Für die nächsten Monate habe die Konferenz dem Thema Prävention und Verhinderung extremistischer Gewalt Priorität eingeräumt, sagte Friedrich.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann nannte den Kampf gegen den Salafismus eine "Nagelprobe" für die Kooperation mit den muslimischen Verbänden. "Nach den Gesprächen ist jetzt entscheidend, ob sie sich an die Spitze der Bewegung setzen oder nicht", sagte er. Es reiche nicht aus, diesen Konsens im Gespräch zu betonen und in der konkreten Umsetzung zurückhaltend zu bleiben.

Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsheirat verabschiedet

Friedrich sagte zu den jüngsten Aktivitäten der Salafisten: "Das Thema macht uns große Sorgen." Nicht jeder Salafist sei ein Terrorist, aber viele potenzielle Terroristen und Gewalttäter hätten salafistische Bezüge.

Die Konferenz verabschiedete außerdem eine Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsheirat . Friedrich begrüßte die gemeinsame Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung als "ein wichtiges Signal". Sie seien nicht "Ausfluss von religiösen Dingen", sondern beruhten auf patriarchalischen Strukturen in den Herkunftsländern. "Ich glaube, es ist das erste Mal, dass sich so viele muslimische Verbände und auch Einzelpersonen zusammen zu einer solchen Erklärung verständigt haben", sagte Friedrich.

Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan ( CDU ) kritisierte, die Diskussion über muslimische Frauen dürfe nicht auf die Themen Zwangsheirat, Ehrenmord und Unterdrückung reduziert werden. Vielfach seien muslimische Frauen in Deutschland bereits weitaus emanzipierter als gedacht, sagte sie.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz warf Friedrich vor, er habe keinen Plan und keine konkrete Zielsetzung für die Zukunft der Islamkonferenz. Es dürfe nicht immer nur über extremistische Gruppierungen gesprochen werden. Auch die große Mehrheit der friedlichen und gesetzestreuen Muslime müsse wahrgenommen werden.