Die deutschen Bischöfe haben sich zum Karfreitag gegen Hass und Gewalt, Eigennutz und materielles Streben gewandt. Mehrere Bischöfe gingen in ihren Predigten auf das Blutvergießen in Syrien ein. Gleichzeitig forderten sie die Christen zu festem Glauben auf. Angesichts von Euro-Krise und Terrorgefahren, aber auch persönlicher Trauer und Not dürften sie nicht an Gott zweifeln, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, laut Manuskript im Willibrordi-Dom zu Wesel ( Nordrhein-Westfalen ).

Der evangelische Berliner Landesbischof Markus Dröge kritisierte in seiner Karfreitagspredigt eine "Kultur des Todes", die auch im privaten Bereich auf Angst, Schrecken, Hass und Gewalt setze. Eine solche Kultur habe nicht nur Jesus ans Kreuz gebracht. Sie zeige sich heute beim syrischen Präsidenten Baschar al-Assad , der mit Gewalt gegen Aufständische vorgehe, oder bei rechtsextremen Gruppen, die Menschen ermordeten.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sagte, die Menschen müssten überall ihren Blick dorthin richten, wo andere "den brutalen Mächten des Todes ausgeliefert" seien. "Wir schauen besonders ins Heilige Land und in den ganzen Nahen Osten", erklärte der katholische Geistliche. "Wir blicken erschrocken und erschüttert nach Syrien, wo seit einem Jahr ein brutaler Bürgerkrieg die Menschen in Angst und Schrecken versetzt."

In Syrien hat die Regierung vier Tage vor Beginn eines zugesagten Truppenabzugs ihren Kampf in Oppositionshochburgen intensiviert. Vertreter der Rebellen meldeten am Freitag den Beschuss der drei Städte Duma nahe Damaskus , Homs und Rastan. Durch die Kämpfe seien mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Die Flüchtlingszahlen stiegen auf Rekordhöhe; allein am Donnerstag suchten nach offiziellen Angaben 2.800 Syrer Schutz in der Türkei .

Papst gegen Ungehorsam

Während der Gründonnerstags-Messe wandte sich Papst Benedikt XVI. gegen Ungehorsam in der Kirche und verteidigte seine Haltung, dass Frauen nicht Priester werden können. Das Oberhaupt der Katholiken kritisierte damit eine österreichische Pfarrer-Initiative für die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt. In seiner Predigt prangerte er den Hochmut als "das eigentliche Wesen der Sünde" an.

In Jerusalems Altstadt empfanden hunderte Gläubige am Karfreitag bei ihrer traditionellen Prozession durch die Via Dolorosa den Leidensweg Jesu nach. Einige trugen große Holzkreuze. Tausende Menschen säumten den Weg. Jesus wurde nach christlichem Glauben am Karfreitag verurteilt und auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt. 14 Stationen auf dem Leidensweg markieren die Stellen, an denen er unter dem Gewicht des schweren Holzkreuzes zusammenbrach.

In Rom stand am Abend die traditionelle Kreuzweg-Andacht vor dem Kolosseum auf dem Programm, in deren Zentrum Papst Benedikt Meditationen zur Familie rückte. Die Zeremonie mit dem Papst an Roms Wahrzeichen gilt als besonders ergreifend. Tausende Gläubigen, Pilger und Touristen verfolgen sie. Mit der traditionellen Fußwaschung hatte Benedikt am Vorabend die Osterfeierlichkeiten des Vatikans begonnen.