Der Prozess um ein Sex-Video von Schauspieler Ottfried Fischer (58) wird neu verhandelt. Das Münchner Oberlandesgericht hat am Dienstag den Freispruch für einen damaligen Journalisten der Bild-Zeitung, der das Video erworben und Fischers PR-Beraterin damit konfrontiert hatte, aufgehoben.

Damit gab das Gericht dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft und Fischers als Nebenkläger statt. Das Oberlandesgericht sei zu dem Schluss gekommen, dass "der Freispruch der sachlich-rechtlichen Prüfung nicht standhält", sagte der Vorsitzende Richter Götzl. "In der Urteilsbegründung fehlt bereits die zusammenhängende Wiedergabe der Einlassung des Angeklagten."

Auch enthalte das Urteil beispielsweise keine Angaben, wie Zeugen auf bestimmte Nachfragen reagiert hätten. "Wie waren die Angaben, wo decken sie sich, wo decken sie sich nicht, welche Angaben sind zu welchem Zeitpunkt glaubhaft?", fasst Götzl die aus seiner Sicht offenen Fragen aus dem vorangehenden Urteil zusammen.

Verteidigung sieht keine Nötigung

Die Anwälte des an Parkinson erkrankten Schauspielers, Steffen Ufer und Christoph Knauer, äußerten sich zufrieden: "Entscheidend ist für uns die Aufhebung des Freispruchs", sagt Knauer. In jedem Fall sei hier die "innerste Intimsphäre" seines Mandanten verletzt worden. Er sieht einen besonders schweren Fall von Nötigung. "Es gibt eine klare Grenze für die Pressefreiheit", sagte Ufer.

Die Verteidigung des Journalisten sieht hingegen kein strafrechtliches Verschulden: "Das ist keine Nötigung", sagte Anwalt Ziegert. "Es sei völlig klar, dass der Ankauf von Informationsmaterial eine berufstypische Handlung von Journalisten ist." Vielmehr sei es sogar Pflicht des Journalisten gewesen, angesichts des brisanten Materials nachzufragen.

Der Ex-Bild-Reporter war angeklagt, weil er den Schauspieler mit einem Sex-Video zu einem Exklusiv-Interview genötigt haben soll. Auf dem Video ist Ottfried Fischer beim Sex mit zwei Prostituierten zu sehen. Der Bild-Reporter hatte das brisante Video für ein sogenanntes Info-Honorar bekommen.

Das Amtsgericht hatte den Journalisten im Oktober 2010 zu 14.400 Euro Geldstrafe verurteilt, das Landgericht sprach ihn in der Berufungsverhandlung im Mai 2011 frei. Die Beschaffung der CD mit dem Video sei von der Pressefreiheit gedeckt. Verfahrensbeteiligte gingen am Dienstag davon aus, dass der neue Prozess in wenigen Monaten vor dem Landgericht München beginnen könnte.