Migranten in Deutschland haben ganz unterschiedliche Lebensläufe, aber eines gemeinsam: Sie sind in ihrem Alltag von Rassismus und Vorurteilen betroffen. Das war der Ausgangspunkt für unsere Themenwoche "Leben mit Rassismus" . Die Kommentare unserer Leser haben diese Annahme bestätigt – im Negativen wie im Positiven.

Denn in den Nutzerbeiträgen klang teilweise latenter, teilweise offener Rassismus an. Vorurteile und negative Stereotypen seien ganz normal und nicht unbedingt rassistisch motiviert, hieß es in einigen Kommentaren. Einige Nutzer forderten, wir sollten lieber rassistische Übergriffe von Migranten auf Deutsche in den Vordergrund stellen oder uns Statistiken zur Ausländerkriminalität anschauen – das relativiere den Rassismus, den Migranten erlebten. Manche unterstellten uns gar, wir erklärten alle Deutschen zu Rassisten.

Doch viele Nutzer widersprachen diesem Argumentationsmuster energisch. Sie warnten, rechtsextremes Gedankengut sei allgegenwärtig . Schon im Alltags-Smalltalk träfen Vorurteile auf Zustimmung. "Teile unserer Gesellschaft haben ein grundlegendes Toleranzproblem", schrieb Nutzer SubspaceEcho .

Respekt

Auf die unterschiedlichen Geschichten der Migranten, die wir in unseren Portraits, Reportagen und Protokollen zu Wort kommen ließen, haben allerdings viele Leser mit großer Anteilnahme und Respekt reagiert. "Wie vielfältig, widersprüchlich, schön und traurig der Alltag der Menschen ist, die von Bio-Deutschen meistens einfach und viel zu schnell in Schubladen gesteckt werden", schrieb robocop_martin dazu .

Er bewundert, wie andere Nutzer, den Mut von Menschen, die "aus fernen Ländern in die deutsche Provinz" gekommen sind. dame.von.welt lobt die "enorme menschliche Größe" , mit der die Einwanderer Ressentiments offensiv entgegentreten. "Was für ein kämpferischer Lebensweg, Hochachtung", schrieb der Nutzer kamalatte unter dem Artikel über den Kambodschaner Samnang Chan.

Von Blicken bis hin zu Übergriffen

In den Diskussionen zu unseren Artikeln erzählten andere Nutzer von ihren eigenen Erfahrungen mit Rassismus im Alltag. Nicht jedes Ressentiment münde zwingend in Gewalt, schrieb lxththf . Oft äußerten sie sich durch Blicke, Tuscheln, Auslachen, das Isolieren in der Bahn. Nutzer svp, der selbst einen Migrationshintergrund hat, erzählte von Anmerkungen und Andeutungen , die ihn schon einige Male "auf die Palme gebracht" haben. YMB berichtet von rassistischen Übergriffen auf somalische Flüchtlinge in Brandenburg . Dass der Focus der Themenwoche auf solchen Erlebnissen in all ihrer Verschiedenheit lag, hat Menschen mit ähnlicher Erfahrung ermutigt, selbst ihre Geschichte zu erzählen; so auch Mike Mariathasan und Viktor Boschmann , die einen Leserartikel geschrieben haben.

Viele Kommentatoren haben uns auf verwandte Themen hingewiesen. Nicht nur in Deutschland gebe es Rassismus, sondern überall in Europa , ja in der Welt. Nutzer anagnostes-tou-kairou berichtete zum Beispiel von rassistischen und xenophoben Äußerungen , die er in Italien erlebt und früher selbst gemacht hat. Außerdem meinten einige Kommentatoren zu Recht, Rassismus sei Teil eines größeren Missstandes, den unter anderem SWarrior ansprach : "Das größte Problem aus meiner Sicht und Erfahrung ist die Chancenungleichheit. Und das unabhängig von der Herkunft." Beides sind Themen, über die ZEIT ONLINE weiter berichten wird.