Fast 15 Jahre habe ich im Asylbewerberheim gelebt, erst in Halberstadt, später dann in Stendal. Mein Verfahren hat so lange gedauert, weil ich keinen Pass hatte. Doch zum Glück ist mir vor etwa einem Jahr Asyl bewilligt worden. Erst jetzt darf ich einen Integrationskurs besuchen und kann dort besser Deutsch lernen.

In unserem Dorf in Sierra Leone war die Situation immer schlimmer geworden. Die Rebellen hatten uns unsere Tiere weggenommen und mich bedroht: Entweder du machst bei uns mit, oder du bist tot. 1997 bin ich zwei Tage zu Fuß von meinem Dorf in die Hauptstadt gelaufen. Dort haben mir Soldaten geholfen. Ich bin dann schließlich mit einem Schiff in Bremerhaven angekommen.

Ich hatte viel Angst, nach Ostdeutschland zu kommen. Bekannte haben mir erzählt: Die Leute dort schlagen Ausländer. So etwas habe ich zum Glück nie erlebt, aber am Anfang war es schon sehr schwer. Ich habe immer wieder gehört: "Du Neger". Die neu angekommenen Asylbewerber sind selbst immer wieder aggressiv geworden, wenn sie von den Neonazis provoziert worden sind, und haben sich auf Beschimpfungen und Schlägereien eingelassen. Das war sehr bedrohlich.

Doch ich habe bald viele nette Menschen in Stendal kennengelernt und jetzt weiß ich, mit wem ich es zu tun habe. Ich habe keine Angst mehr, ich gehe auf Leute zu, die Vorurteile haben.

Neulich im Kaufland in Stendal habe ich zwei Jungs getroffen, die mich angemacht haben: Wie siehst du denn aus? Der eine war sehr aggressiv, der andere hat zum Glück abgewiegelt. Die Leute aus dem Umland machen so etwas eher als die in Stendal. Aber ich habe meine Philosophie: Ich bringe sie zum Lachen, ich mache sie locker, ich sage: Hey, du bist mein Bruder.

Ich mache viel Musik und das Trommeln hilft, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Mit den Leuten von der Migranteninitiative gehen wir in Schulen und Kitas. Dort mache ich Musik mit den Kindern und erzähle ihnen von Afrika. Das macht mir viel Spaß. Ich glaube aber, dass ich es einfacher habe als Leute, die nicht so leicht auf andere zugehen.