Das Erdbebengebiet im Norden Italiens kommt nicht zur Ruhe. Auch in der Nacht erschütterten neue Erdstöße die Region Emilia Romagna. Die beiden schwersten Nachbeben am frühen Montagmorgen erreichten laut Nachrichtenagentur Ansa eine Stärke von 3,7 und 3,6.

Insgesamt gab es dem Portal corriere.it zufolge mehr als hundert kleinerer Nachbeben. Andere Quellen setzten die Zahl deutlich niedriger an.

Etwa 3.000 Menschen mussten die Nacht in Zelten, Sporthallen, Pensionen oder bei Freunden und Verwandten verbringen – ihre Häuser sind nicht mehr bewohnbar. Hunderte schliefen auf großen Parkplätzen in ihren Autos.

Das Gefängnis von Ferrara wurde vorsorglich evakuiert, wie der Sender Rai berichtete. Viele Schulen im Erdbebengebiet waren am Montag geschlossen, auch Dienstag soll das so sein.
 

Ein Erdstoß der Stärke 6,0 hatte in Norditalien in der Nacht zum Sonntag schwere Schäden an historischen Bauten angerichtet. Wohnhäuser und Fabriken wurden teils völlig zerstört. Sieben Menschen starben. Vier Arbeiter und eine über 100-jährige Seniorin wurden von Trümmern erschlagen. Zwei Frauen – darunter eine Deutsche – starben nach dem Beben : möglicherweise infolge des Schrecks. Das italienische Fernsehen berichtete zudem von etwa 50 Verletzten.

Sorge wegen zerstörter Kulturgüter

Die Schadenshöhe ist noch unbekannt. Vor allem aber gibt es Sorge wegen der Kulturgüter der Region. "Die Schäden an dem kulturellen Erbe sind nach ersten Erkenntnissen beachtlich", sagte der Minister für Kulturgüter, Lorenzo Ornaghi.

Unter anderem gab es Schäden in der Renaissancestadt Ferrara, deren historischer Stadtkern zum Weltkulturerbe gehört. Das Schloss von Ferrara sowie Kirchen wurden beschädigt. Auch Straßen waren unpassierbar.

Regierungschef Mario Monti sagte den Opfern Hilfe zu. "In diesen Momenten fühlt das ganze Land mit denen, die leiden", sagte Monti. Wegen des Bebens und des Bombenanschlags auf eine Berufsschule im süditalienischen Brindisi, bei dem am Wochenende eine 16-Jährige getötet worden war, wollte er vorzeitig vom Nato-Gipfel in Chicago abreisen und noch am Montagnachmittag wieder in Italien sein.