Der rechtsextreme griechische Abgeordnete, der am Donnerstag bei einer TV-Talkrunde vor laufender Kamera zwei Frauen angegriffen hat, klagt gegen seine Opfer. Ilias Kasidiaris zeigte die beiden linken Parlamentarierinnen am Montag wegen Beleidigung an, weil sie ihn dazu provoziert hätten, "so zu handeln, wie er gehandelt hat", sagte er in einem Radio-Interview. Der Neonazi, der für die rechtsextreme Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte) im Parlament sitzt, ist wegen dieses Angriffs der versuchten schweren Körperverletzung angeklagt.

Kasidiaris hatte in dem Fernsehstudio ein Wasserglas auf die Abgeordnete Rena Dourou vom Linksbündnis Syriza geschleudert und dann die Kommunistin Liana Kanelli drei Mal ins Gesicht geschlagen. Anschließend floh er aus dem Studio. Er reichte am Montag auch eine Klage gegen den Sender ANT1 wegen "illegaler Freiheitsberaubung" ein, weil Mitarbeiter versucht hatten, ihn aufzuhalten. Zudem warf er einem Journalisten "Aufruf zum Amtsmissbrauch" vor, da dieser die Staatsanwaltschaft zum Eingreifen aufgefordert hatte.

Auslöser der Angriffe war eine Bemerkung der Syriza-Vertreterin zu Kasidiaris' mutmaßlicher Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall 2007. Gegen Kasidiaris läuft ein Verfahren wegen illegalen Waffenbesitzes und Mittäterschaft bei dem Überfall. Es wurde am Montag zum wiederholten Mal vertagt.

Die Neonazi-Partei Chryssi Avgi hatte bei der Parlamentswahl am 6. Mai 6,9 Prozent der Stimmen erhalten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Militärherrschaft 1974, dass eine eindeutig neonazistische Partei den Einzug ins Parlament schaffte. Nach jüngsten Umfragen könnte sie auch nach der Parlamentswahl am 17. Juni im Parlament bleiben.