Die Stimmung in Großbritannien war schon einmal besser. Die Politik streitet darüber, ob auf Pasteten eine Mehrwertsteuer erhoben werden soll und Engelbert Humperdinck ist beim Eurovision Song Contest auf dem vorletzten Platz gelandet. Der Wirtschaft geht es schlecht, die Regierung zieht ihr Sparpaket durch, die Unruhen vom Sommer 2011 sind noch nicht vergessen. 

Aber dann ist da ja noch das 60-jährige Thronjubiläum von Queen Elizabeth II, das diamond jubilee. Das Land ist in königlicher Stimmung, stärker noch als bei der Hochzeit von Prince William und Kate Middleton vergangenes Jahr. Die Geschäfte sind mit Union-Jack-Wimpeln und kleinen Flaggen geschmückt.

Als Deutsche, die seit sieben Jahren in Birmingham wohnt, finde ich das toll. Sogar der Empfangsschalter bei meinem Hausarzt ist festlich dekoriert! Im Traditionskaufhaus Marks & Spencer erwerbe ich als Andenken an das Jubiläum eine Keksdose mit dem Porträt der Königin und widerstehe nur knapp der Versuchung, auch noch eine Packung mit Cupcakes in den Landesfarben zu kaufen.

Wie schon bei der Krönung im Jahr 1953 werden überall Straßenpartys gefeiert. Meine englischen Freunde, politisch mehr Labour als Tory, freuen sich, dass es eine Gelegenheit zum Feiern gibt. Der Anlass ist da schon fast egal. Hauptsache, wir können uns am arbeitsfreien Montag alle im Garten einer Freundin zum Grillen treffen.

Man kann das Jubiläum natürlich auch als große Geldverschwendung betrachten. Einer meiner Freunde beklagte auf Twitter, dass das Jubiläum von niemandem zum Anlass genommen würde, die Monarchie infrage zu stellen. Kaum bekomme das Volk einen zusätzlichen Feiertag, schon sei es in Feststimmung.

So denken allerdings die wenigsten Briten. Über eine Millionen Zuschauer standen am vergangenen Sonntag jubelnd am Themse-Ufer, als über 1.000 Boote in einer Festprozession an der Königin vorbeizogen. Als am Ende ein Chor Land of Hope and Glory sang, wippte sogar der ansonsten so steife Prinz Charles mit dem Fuß.

Das Jubiläum wurde in England dringend gebraucht. Für einen kurzen Moment konnten die Briten ihre Sorgen vergessen. God save the Queen!