Die Psychoanalytikerin und Autorin Margarete Mitscherlich ist tot. Sie starb am Dienstag, wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag in einer Klinik in Frankfurt am Main , teilte das Sigmund-Freud-Institut mit.

Die Grande Dame der Psychoanalyse war viele Jahre an dem Frankfurter Institut tätig, sie zählte zu den bekanntesten Psychoanalytikern in Deutschland . Gemeinsam mit ihrem 1982 gestorbenen Mann Alexander Mitscherlich ergründete sie in Die Unfähigkeit zu trauern (1967) die Nachkriegsgesellschaft.

Der Essayband gilt als Schlüsseltext zur NS-Vergangenheit , die nach Meinung der Autoren von den Deutschen nicht bewältigt war. Das Paar setzte sich für eine kollektive Aufarbeitung der Geschichte des "Dritten Reichs" ein. Das Buch wurde ein Bestseller und in viele Sprachen übersetzt.

Als Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen 1917 im Graasten in Dänemark zur Welt. Ihr Abitur machte sie während der Nazi-Diktatur in Flensburg . Nach dem Medizin-Studium in München und Heidelberg arbeitete sie vorübergehend in der Schweiz , wo sie Alexander Mitscherlich kennenlernte.

Den 1949 geborenen gemeinsamen Sohn Matthias vertraute sie zeitweise ihrer Mutter an, weil sie ihn wegen der eigenen Berufstätigkeit dort besser versorgt glaubte. Das brachte ihr später viel Kritik ein. Erst 1955 heiratete das Paar und begründete eine jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung .

Mitscherlich engagierte sich in der Frauenbewegung

Margarete Mitscherlich wandte sich später der Frauenbewegung zu. In ihrem bedeutendsten eigenen Buch, Die friedfertige Frau (1985), legte sie dar, dass Frauen nicht von Natur aus weniger aggressiv sind, sondern ihr vermeintlich ausgleichendes Wesen nur erlernt haben.

Noch im Herbst 2010 hatte die Medizinerin ein Buch mit dem Titel Die Radikalität des Alters geschrieben. Bis zuletzt hielt sie noch gelegentlich psychoanalytische Sitzungen ab.