Einst bereitete die rechtsextreme Szene in Thüringen den Boden für die Terrorzelle NSU , die zehn Menschen ermordet haben soll. An der Gewaltbereitschaft Thüringer Neonazis hat sich nach Einschätzung von Experten auch nach dem Aufdeckung des Trios wenig geändert. Und viele Verbindungen von früher scheinen weiter zu funktionieren.

Erst am Mittwoch wurden zwei Neonazis verhaftet, die eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben sollen. Außerdem wurden etliche Waffen sichergestellt. Bei den Männern gibt es Verbindungen zur rechtsextremen NPD und dem mutmaßlichen Jenaer NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben , der in Untersuchungshaft sitzt. Doch schließen die Behörden bisher eine direkte Verbindung zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) aus.

Die beiden verhafteten Neonazis sind für ihre Vernetzung im rechten Spektrum bestens bekannt. So sollen sie in der einschlägigen Musikszene aktiv gewesen sein. Einer der Festgenommenen war am Kauf eines Gasthofs in Crawinkel (Kreis Gotha) beteiligt, der für Treffs der Szene genutzt wurde. Der Zweite, ein 28-Jähriger aus Saalfeld, trat bei der Landtagswahl 2009 als Direktkandidat für die NPD an und hatte enge Verbindungen zu dem Jenaer Ex-NPD-Funktionär Wohlleben. Beide bestritten laut Staatsanwaltschaft, einen Anschlag geplant zu haben.

Anschläge von Neonazis immer möglich

Aber rechtsterroristische Anschläge seien nach dem Auffliegen der Zwickauer Terrorzelle jederzeit möglich, sagte Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (Mobit ). "Diese neuen Waffenfunde wundern mich gar nicht." Vielmehr sei die Militanz der Szene hoch, und es habe bei Thüringer Neonazis immer wieder Versuche gegeben, an Sprengstoff heranzukommen. Er schätzt, dass der rechtsextremen Szene hierzulande deutlich mehr als 1.000 Menschen angehören. Sie organisieren sich auch nach Beobachtungen des Verfassungsschutzes zunehmend in sogenannten freien Netzen.

Die Szene passe sich relativ schnell an neue Gegebenheiten an, sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Thüringer Landtag , Matthias Hey ( SPD ). "Und sie sucht sich jeweils Orte aus, wo sie am besten agieren kann." Das sei bisher offenbar in Ländern wie Thüringen und Sachsen besonders gut möglich gewesen. Allerdings hätten die Ermittlungsbehörden auch aus den vielen Pannen bei der NSU gelernt, "mehr nach rechts zu schauen". Er sieht ebenfalls eine Gefahr neuer terroristischer Gewaltakte von rechts.

So führen die Spuren des "Thüringer Heimatschutzes", in dem einst die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle vor ihrem Abtauchen aktiv waren, heute direkt zu den freien Netzen. Diese agierten militant und konspirativ, sagte die Innenexpertin der Linken-Fraktion Martina Renner. Sie vermutet, dass von dort Unterstützung für abgetauchte Neonazis organisiert wird. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zu Jahresbeginn noch acht Rechtsextreme per Haftbefehl aus Thüringen gesucht.