Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker geht es vor allem um die Frage, inwieweit die 59-Jährige geholfen hat, den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback umzubringen. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft war Becker 1977 nicht unmittelbar als Schützin am Mordanschlag beteiligt. "Es gibt keine belastbaren Hinweise, die auch nur ansatzweise auf eine unmittelbare Täterschaft als Schützin hindeuten könnten", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger in seinem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht Stuttgart .

Die Beweisaufnahme habe die Frage, wer geschossen hat, nicht beantworten können, sagte Hemberger. Weder gebe es Zeugen, welche die unmittelbaren Täter erkennen konnten, noch gebe es objektiv Beweismittel wie DNA-Spuren, die eine Identifizierung ermöglichen würden. "Wir können uns keinen Tatzeugen herbeizaubern, auch wenn sich einige mehr als zweifelhafte Tatzeugen selbst herbeigezaubert haben."

Hemberger kritisierte das Verhalten der ehemaligen RAF-Mitglieder, die bei ihren Zeugenauftritten die Aussage verweigerten. Man könnte "wenigstens erwarten, dass sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen", sagte er.

Keine "schützende Hand" für Becker

Dennoch sieht die Anklage eine Mitverantwortung Beckers: "Sie ist schuldig – das steht für uns fest", sagte die Anklagevertreterin Silke Ritzert.

Die 59-jährige Becker ist angeklagt, als Mittäterin am Mordanschlag auf Buback beteiligt gewesen zu sein. Im Prozess hatte sie eine direkte Beteiligung bestritten. "Ich war nicht dabei", sagte sie am 14. Mai in einer lange angekündigten Erklärung . An Bubacks Sohn Michael gerichtet, der als Nebenkläger auftritt, sagte sie: "Wer Ihren Vater getötet hat, kann ich nicht beantworten. Ich war nicht dabei."

Hemberger widersprach den von Buback geäußerten Vermutungen, es habe eine "schützende Hand" für die Angeklagte gegeben. Dies seien "haltlose Spekulationen". Der Staat habe "die Aufklärung des Anschlags gefördert und gestützt". Buback war bisher davon überzeugt, dass Becker selbst die Todesschützin ist. Er warf dem Nebenkläger vor, er wolle Becker als Täterin "zurechtbiegen" und unterstelle dazu den damals ermittelnden Beamten, Zeugenaussagen unterschlagen und belastende Beweise manipuliert zu haben.

Tatwaffe sichergestellt

Wer vom Soziussitz eines Motorrads aus die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abfeuerte, konnte in dem mehr als anderthalb Jahre dauernden Verfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart nicht geklärt werden.

Bei Becker war die Tatwaffe sichergestellt worden, aus der die Schüsse auf Buback kamen. Sie hatte 1977 wegen einer Schießerei bei ihrer Festnahme wenige Wochen nach dem Mord an Buback eine lebenslange Haftstrafe erhalten. 1989 wurde sie begnadigt. Die Ermittlungen begannen von neuem, als an einem Bekennerschreiben der RAF Genmaterial entdeckt wurde, das nach einem neuen Gutachten eindeutig von ihr stammt.

Urteil im Juli

Bei dem Anschlag waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten Schützen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt.

Nach früheren Angaben Beckers hatte Günter Sonnenberg das Motorrad gesteuert. Fahrer des Fluchtautos, das die beiden abholte, soll danach Christian Klar gewesen sein. Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock wiederum hatte schon 2007 Stefan Wisniewski als einen angeblichen Täter genannt. Auch Becker soll dies schon in den 1980er Jahren so dargestellt haben, wie 2007 bekannt wurde. Als Rädelsführerin des Mordes an Buback war Brigitte Mohnhaupt verurteilt worden.

Ein Urteil soll am 6. Juli verkündet werden.