Tragen radikale Islamisten bei Selbstmordattentaten wirklich Bermuda-Shorts? Das ist eine der Fragen, die sich im Verlauf der Woche seit dem Anschlag auf einen Autobus mit israelischen Touristen am Flughafen der bulgarischen Schwarzmeerstadt Burgas ergeben haben. Unmittelbar nach dem Attentat hatten die bulgarischen Behörden Überwachungsaufnahmen eines langhaarigen Rucksacktouristen in ebensolchen Hosen veröffentlicht und diesen als Selbstmordattentäter bezeichnet. Manche Arabisten hegen aber Zweifel, ein islamistischer Selbstmordattentäter könne in solch legerem Aufzug zu seiner "heiligen Tat" schreiten.

Eine Woche nach der Explosion, bei der fünf israelische Touristen, ein bulgarischer Busfahrer und der vermutliche Attentäter ums Leben kamen , sind ihr Ablauf und die Hintergründe unklar wie am ersten Tag. Fundierte Untersuchungserkenntnisse haben die Ermittler nicht bekannt gegeben, eher durch zuweilen widersprüchliche und irreführende Angaben Spekulationen und Verschwörungstheorien genährt.

Der Attentäter sei dunkelhäutig, hieß es zunächst, dann bleich mit blauen Augen. Er spreche Russisch, aber auch Englisch mit arabischem Akzent. Zwischen vier und sieben Tagen sei er vor der Tat in Bulgarien gewesen, eventuell aber auch seit einem Monat. Vermutlich sei er aus Rumänien eingereist oder aus der Türkei oder vielleicht mit dem Flugzeug aus dem Schengen-Raum.

Kurz nach dem Attentat war Bulgariens Innenminister Tswetan Tswetanow noch zuversichtlich, es könne eine zügige Aufklärung geben. "Wir konnten vom zerfetzten Körper des Selbstmordattentäters DNA-Proben und sogar Fingerabdrücke entnehmen. Diese werden wir nun mit den Datenbeständen der internationalen Polizeibehörden abgleichen, um die Identität des Kamikaze zu bestimmen", hatte Tswetanow erklärt.

Im Grunde weiß man nichts

Dieses Vorgehen führte aber nicht zum gewünschten Ergebnis: "DNA-Probe und Fingerabdrücke stimmen mit keiner der in den Datenbanken der Ermittlungsbehörden auf der Welt registrierten Personen überein", teilte Ministerpräsident Boiko Borissow am Dienstag mit. Auch der gefälschte Führerschein aus dem US-Bundesstaat Michigan , den man bei dem Mann fand, führte die Ermittler nicht weiter. Wer er ist, woher er kam, ob er allein handelte oder Komplizen hatte – darüber weiß man im Grunde nichts.

Die bei dem Anschlag verletzte israelische Touristin Gilat Kulangias schilderte auf dem israelischen Fernsehsender Kanal 2 den Ablauf auch ganz anders als Innenminister Tswetanow. Der hatte erklärt, der Sprengsatz im Rucksack des "Kamikaze" sei auf dem Rücken des Mannes explodiert, als dieser vorn in den Bus einsteigen wollte. Kulangias, deren Mann ums Leben kam, beschrieb die Minuten vor dem Knall hingegen so: "Er kam zum Autobus, nahm Koffer aus dem Gepäckfach und verstaute an ihrer Stelle seinen Rucksack. Mein Mann und sein Freund stritten deshalb mit ihm. Dann löste der 'Operator', der sie aus der Ferne beobachtete, die Explosion aus."

Anders als die meisten der in bulgarischen Medien kursierenden Versionen, erscheint Kulangias Schilderung als plausible Beobachtung einer tatsächlichen Augenzeugin. Manche Beobachter fragen deshalb kritisch, warum die ermittelnden bulgarischen Behörden die vernehmungsfähigen israelischen Zeugen des Anschlags bereits am nächsten Tag nach Hause reisen ließen, ohne sie zuvor gründlich zu vernehmen.