Für den Deutschen Olympischen Sportbund muss es wie das glückliche Ende eines bösen Alptraums klingen. Ihr Freund habe "persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet", versicherte die Ruderin Nadja Drygalla am Sonntag.

Die "Sache", von der sie spricht, ist das jahrelange Engagement ihres Partners, Michael Fischer, in der NPD und der militanten Neonazi-Szene Rostocks. Einen Tag später meldete dieser sich selbst zu Wort. Er sei vor den Olympischen Spielen in London "den Schritt gegangen, mit der Sache abzuschließen, dass ich Neonazi bin. Ich bin aus der Partei ausgetreten und hatte auch so keinen großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten", sagte der 24-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Die NPD eilte ihm am Montagnachmittag ebenfalls zu Hilfe. "Herr Fischer ist Ende Mai aus der NPD ausgetreten", hieß es in einer Stellungnahme. Näheres zu den Umständen gebe man jedoch grundsätzlich nicht bekannt. Ein bemerkenswerter Vorgang, zumal der frühere NPD-Chef Udo Voigt noch wenige Tage zuvor in einem offenen Brief Drygalla und Fischer offensiv in Schutz genommen hatte. Hier werde "eine Sportlerin durch den Dreck gezerrt, weil sie eine Beziehung zu einem Mann hat, der politisch nicht korrekt ist", wetterte Voigt.

Das verpixelte Gesicht einer blonden "Kameradin"

Tatsächlich stürzten sich am vergangenen Wochenende viele Medien auf ein Foto der Nationalen Sozialisten Rostock (NS-Rostock) von einer Kundgebung im Jahr 2009. Hinter dem verpixelten Gesicht einer blonden "Kameradin" meinten viele Drygalla zu erkennen, und das, obwohl lokale Initiativen gegen Rechts mehrfach darauf hinwiesen, dass sie diese Einschätzung nicht teilen. Schließlich gibt es in der Rostocker Szene mehrere strohblonde Nazi-Aktivistinnen. Die Journalisten lagen tatsächlich falsch, wie sich bald herausstellte.

Doch im Fall von Michael Fischer sieht es anders aus. Eine größere Bekanntheit erlangte der 24-Jährige im Februar 2012. Am Rande einer Gedenkveranstaltung für den von den NSU-Terroristen ermordeten Mehmet Turgut posierte der NPD-Landtagskandidat von 2011 grölend inmitten eines Mobs schwarz vermummter Neonazis, die versuchten, die Teilnehmer anzugreifen. Ein Polizist wurde durch eine geworfene Eisenstange verletzt. Mit seiner Kamera machte Fischer Aufnahmen von der Gedenkfeier. Bilder aus genau seiner Perspektive tauchten danach auf einer sogenannten Anti-Antifa-Website auf. Das Ganze ist gerade einmal ein halbes Jahr her.

Ist es trotzdem denkbar, dass Fischer sich in den folgenden Monaten glaubhaft von der rechtsextremen Ideologie abgewandt hat? Szenekenner bezweifeln das. Für einen tatsächlichen Ausstieg Fischers aus der Szene spricht nur wenig, dagegen jedoch viel.