Der frühere Bundesverteidigungsminister Georg Leber ( SPD ) ist tot. Er starb am Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 91 Jahren, teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit, die Leber mehrere Jahre leitete. "Die deutsche Arbeiterbewegung verliert mit ihm einen wegweisenden Vorkämpfer", sagte der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel .

Die politische Karriere des Wegbereiters der ersten Großen Koalition (1966-1969) begann 1957, als er für die SPD in den Bundestag einzog. Als Verkehrsminister ab 1966 setzte er Tempo 100 auf Landstraßen und die 0,8-Promille-Grenze für Blutalkohol beim Autofahren durch. Das Autobahnnetz vergrößerte sich in seinen sechs Amtsjahren auf das Doppelte.

Leber folgte dann 1972 auf Helmut Schmidt als Verteidigungsminister. In seiner Amtszeit wurden die Streitkräfte deutlich vergrößert, die ersten Frauen zu Sanitätsoffizieren ernannt und die Bundeswehr-Universitäten gegründet.

In seinem "Lieblingsjob", wie Leber das Amt nannte, verschaffte er sich wegen seines menschlichen Umgangs mit den Bundeswehr-Angehörigen den Ehrennamen "Soldatenvater". Mit seinem Rücktritt 1978 übernahm er die politische Verantwortung für einen ungenehmigten Lauschangriff des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) .

Leber als Gewerkschafter

Als ihm 1983 ein sicherer Listenplatz für die Bundestagswahl streitig gemacht wurde, schied Leber nach 26 Jahren aus dem Parlament aus. Danach wurde der Katholik wiederholt als Schlichter in Tarifkonflikten aktiv. 1984 beendete etwa sein Vorschlag, die Wochenarbeitszeit auf 38,5 Stunden zu verkürzen, einen Metaller-Streik.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde Leber, der seit Längerem an Alzheimer litt, in ein Pflegeheim gebracht.