Der russische Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin hat das Urteil gegen die drei Mitglieder der Frauen-Punkband Pussy Riot als unverhältnismäßig kritisiert. "Ich finde das Urteil überzogen", sagte Lukin. Er heiße den Auftritt der drei Frauen nicht gut, die im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein "Punkgebet" gegen den Präsidenten Wladimir Putin aufgeführt hatten. Es handele sich aber lediglich um ein "Fehlverhalten, nicht um ein Verbrechen", sagte er.

Lukin erwägt in seiner Funktion als Menschenrechtsbeauftragter Einspruch gegen ihre Verurteilung zu zwei Jahren Lagerhaft einzulegen. Sollte die Berufungsinstanz nicht zugunsten der drei Frauen entscheiden , habe er die Befugnis, sich wegen des Urteils zu beschweren. "Wenn das Urteil unverändert bleibt, habe ich das Recht, Beschwerde einzulegen", sagte er. Diesen Schritt werde er abwägen.

Der Menschenrechtsbeauftragte wird in Russland vom Parlament ernannt. Lukin, der Mitbegründer der liberalen Partei Jabloko ist, hat diesen Posten seit Jahren inne.

Die Pussy-Riot-Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa , Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch waren am vergangenen Freitag wegen "Rowdytums" und "Anstiftung zu religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Das Urteil rief weltweit Kritik hervor . Ihre Anwälte kündigten an, in Berufung zu gehen.