In der sogenannten Vatileaks-Affäre hat der Prozess gegen Paolo Gabriele, den früheren Kammerdiener von Papst Benedikt XVI, in Vatikan-Stadt begonnen. Der 46-Jährige muss sich wegen schweren Diebstahls aus den innersten Gemächern des katholischen Kirchenoberhaupts verantworten. Der Vater von drei Kindern war seit 2006 der persönliche Diener von Papst Benedikt XVI. und zählte zum engsten Kreis des päpstlichen Haushalts.

Gabriele war am 23. Mai festgenommen worden – unter dem Verdacht, vertrauliche Dokumente gestohlen zu haben. Er steht im Mittelpunkt der Affäre um die Weitergabe Hunderter interner Dokumente aus dem Vatikan an italienische Medien. Ihm drohen bis zu vier Jahre Haft. Gabriele hat bereits gestanden, Papiere an einen Journalisten weitergegeben zu haben, um Korruption in der katholischen Kirche aufzudecken.

Der Prozess könnte innerhalb einer Woche abgeschlossen werden. Es sei möglich, dass vier Verhandlungstage ausreichten, zitierten die Beobachter den Präsidenten des vatikanischen Tribunals, Giuseppe Dalla Torre. Gabriele soll erst kommende Woche befragt werden; seine Aussage ist für Dienstag angesetzt.

Gabriele erschien in Begleitung seiner Anwältin Cristiana Arru vor dem mit drei hochkarätigen italienischen Juristen besetzten unabhängigen Tribunal. Nach vatikanischem Recht wäre seine Anwesenheit nicht unbedingt notwendig gewesen. Er saß bereits mehrere Wochen im Gefängnis und steht derzeit unter Hausarrest.

Privatsekretär Gänswein soll aussagen

Acht Zeugen seien für Gabriele benannt worden, berichteten die Prozessbeobachter. Unter ihnen ist neben einem halben Dutzend Gendarmen und einer Helferin aus dem päpstlichen Haushalt auch der päpstliche Privatsekretär Georg Gänswein. Ob und wann Gänswein vor Gericht aussagen wird, blieb offen. Ergebnisse der vom Papst in dem Fall eingesetzten Kardinalskommission werden nicht in den Prozess einfließen – die kirchliche und die weltliche Aufklärung bleiben streng getrennt.

Die Ermittler hätten bei Gabriele 82 Kartons voller Papiere sichergestellt, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi: "In dieser Masse von Dokumenten waren auch Dokumente, die mit der Anklage in Verbindung standen." Jedoch habe es sich vielfach auch um Unterlagen gehandelt, die Gabriele aus persönlichem Interesse aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt hatte.