Schon zu seinen Lebzeiten war Sun Myung Moon genauso umstritten wie bewundert. Von seinen Anhängern ließ sich der selbst ernannte Messias und Gründer der sogenannten Vereinigungskirche als "wahrer Vater" huldigen. Für seine Kritiker war er ein geistiger Verführer, der es über seine religiösen Aktivitäten hinaus dank seines ausgeprägten Geschäftssinns und einer ergebenen Gefolgschaft zum Milliardär gebracht hatte.

Eine Zeit lang galt er als der wohl bekannteste Koreaner der Welt. Bekannt wurde Moon vor allem für seine spektakulären Massentrauungen, bei denen sich Tausende Paare zu einer Zeremonie versammeln. Bei den sogenannten Blessings (Segnungen) erteilte er in Stadien und per Satellit Tausenden Paaren in aller Welt seinen Segen. Heute können nicht mehr allzu viele junge Südkoreaner mit dem Namen Sun Myung Moon (auch San Myung Mun) etwas anfangen. Denn um den "Retter der Menschheit" war es in den vergangenen Jahren in seiner Heimat wie auch im Ausland ruhiger geworden. Ein Grund dafür war der starke Mitgliederschwund der Bewegung in Westeuropa und vor allem in den USA , wo er 1982 wegen Steuervergehen zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Doch wer war der wohl erste Milliardär Südkoreas , der fanatische Anti-Kommunist, der charismatische Prediger und selbst ernannte Friedenskönig? Bei einer als bizarr beschriebenen Zeremonie ließ sich Moon vor einigen Jahren in einem Empfangsraum des US-Senats einen königlichen Umhang anlegen und eine Krone aufsetzen. Einige Kongressmitglieder, die der Einladung damals gefolgt waren, sagten später, sie hätten sich übertölpelt gefühlt. Der Auftritt sagte ebenso viel über Moons Selbstverständnis als religiöser Erneuerer wie über seine weitreichenden Verbindungen in Politik und Wirtschaft aus. Die Bezeichnung Sekte lehnt die Gruppe wegen des negativen Untertons ab.

Mit 16 Jahren sei Moon Jesus erschienen

Trotz seines hohen Alters galt Moon bis zuletzt als absolute Autorität innerhalb seiner Organisation, die er kurz nach dem Krieg zwischen Südkorea und dem kommunistischen Nordkorea (1950-53) gegründet hatte. Ganz am Anfang stand eine spirituelle Erfahrung: Auf einem Berg soll Moon als 16-Jähriger eine Jesus-Erscheinung gehabt haben. Dabei soll ihm verkündet worden sein, er werde die "unvollendete Mission" auf Erden beenden. Mehrmals beschrieb sich Moon als Messias. Dies wurde später von ihm selbst oder Anhängern immer wieder relativiert.

Im Mai 1954 gründete der 1920 geborene Moon in Seoul die Vereinigungskirche. Mithilfe von Missionaren konnte er seitdem Hunderttausende, meist junge Menschen in den USA, Japan und Europa von seinen Lehren einer Wiederherstellung des Himmels auf Erden überzeugen. Zugleich schuf er ein Wirtschaftsimperium mit Firmen in den verschiedensten Branchen. Selbst in Nordkorea investierte seine Organisation Millionen in eine Autofabrik.

Schon früh waren ihm die Medien ein wichtiges Instrument, um sich Einfluss zu verschaffen. Er und andere Mitglieder der Vereinigungskirche hatten die Washington Times 1982 als konservative Alternative zur Washington Post gegründet. Kritiker warfen ihm vor, er strebe eine Art Weltherrschaft an. Zudem geriet seine Bewegung in den achtziger Jahren nach Berichten über die Isolation von Mitgliedern in religiösen Zentren ins Zwielicht.

In Deutschland wurde dem Ehepaar Moon lange Zeit die Einreise verweigert, erst 2007 wurde das Verbot aufgehoben. Die Vereinigungsbewegung gehöre zu den Jugendsekten und Psychogruppen, deren Aktivitäten junge Menschen gefährden könnten, so die Begründung. Das Verfassungsgericht kippte diese Entscheidung erst im November 2006.

Am Sonntag ist Moon nun in seiner Heimat Südkorea im Alter von 92 Jahren gestorben . Die Ärzte stellten ein Nierenversagen fest, Moons Sprecher sagte, das Oberhaupt habe sich in den vergangenen Monaten "überarbeitet". Seine Organisation liegt mittlerweile in der Obhut seiner Kinder.