In Syrien herrscht ein Informationskrieg – oder besser Desinformationskrieg –, in dem vor allem dem geschwächten Assad-Regime alle Mittel Recht sind, von Socialmedia-Propaganda bis hin zur Tötung von Oppositionsjournalisten und Internetaktivisten. Doch auch Mitglieder des Syrischen Nationalrats und der Freien Syrischen Armee betreiben Desinformation. Allein an verlässliche Informationen über die extrem komplexe Situation in Syrien zu kommen und Schwarz-Weiß-Malerei zu vermeiden, ist eine Herausforderung. Diese zu meistern ist umso wichtiger, als dass der Syrien-Konflikt durch die geostrategische Lage des Landes und die auch in den Nachbarländern vertretenen ethnischen und religiösen Gruppen weite Teile des Nahen Ostens destabilisieren kann.

Selbst in Ländern, in denen die Proteste bisher entweder durch Repressionen oder durch das Aufdrehen von Geldhähnen erstickt wurden, allen voran in Saudi-Arabien, werden Medien zu Instrumenten des gesellschaftlichen Wandels. Das Königreich ist die Mediensupermacht der Region und kontrolliert die wichtigsten internationalen arabischen Tageszeitungen und – mit der Ausnahme von Al-Jazeera – die größten TV-Sender. Dieser mediale Schutzwall verhinderte jahrzehntelang eine negative Berichterstattung über das Königreich in den arabischen Leitmedien. Heute jedoch gelingt es weder den Saudis noch den mit ihnen verbündeten Bahrainis, Nachrichten über die massiven Proteste ihrer schiitischen Bevölkerungsgruppen vollständig zu unterdrücken. Die digitalen Medien machen eine Totalzensur unmöglich.

Generell spielen die neuen Medien in Saudi-Arabien und in den meisten anderen Golfstaaten bereits eine wichtige Rolle als politische und gesellschaftliche Infrastruktur für oppositionelle oder benachteiligte Gruppen. Sie erhöhen den Reformdruck. Ein Beispiel ist die über Facebook organisierte Women2drive-Kampagne saudischer Frauen, in denen sie ihr Recht zum Autofahren einforderten. Auch das von ägyptischen Frauen erstellte harassmap.org soll staatliche Institutionen zum Handeln zwingen: Die ständig aktualisierte Karte zeigt Orte von Übergriffen auf Frauen in Kairo an. Es soll zu mehr Polizeipräsenz und weniger Angriffen führen. Einfache praktische Anwendungen also, die den gesellschaftlichen Wandel in den arabischen Ländern befördern helfen.