Sami Danka wagte sich zuletzt nicht mehr in seiner Arbeitskleidung auf die Straße. Der Pfarrer wurde 2006 in der irakischen Hauptstadt Bagdad entführt. Erst nach acht Tagen sei er gegen Lösegeld freigekommen, erzählt er. Ob er seine Entführer kannte? Der 45-Jährige lächelt, will nichts dazu sagen. Nur soviel zu deren Absichten: "Wie es schon in der Bibel heißt, wenn man den Hirten schlägt, werden auch die Schafe getroffen. Das war auch das Ziel meiner Entführer: den Priester zu schlagen, damit die ganze Gemeinde flieht."

Danka flüchtete tatsächlich aus seiner Heimat; er kam 2007 nach Deutschland. Hier begann für ihn ein neues Leben in Sicherheit. Zunächst leitete er die chaldäische Exilgemeinde in Nordrhein-Westfalen , seit 2010 ist er in München und betreut für ganz Bayern 7.000 Gläubige. "Trotzdem habe ich immer Sehnsucht nach meiner Heimat", sagt Sami Danka.

Shlemon Warduni kennt viele solcher Schicksale. Der chaldäische Weihbischof aus Bagdad ist dem Terror jeden Tag ausgesetzt. "Der mutigste Gottesmann der Welt", so wurde Warduni 2008 von der Bild genannt , ist fünf Mal knapp dem Tod entgangen. Trotzdem bemüht er sich, keine Panik zu verbreiten. "Wir leben im Großen und Ganzen schon friedlich miteinander, arbeiten mit unseren muslimischen Nachbarn zusammen", so schildert er seinen Alltag. "Aber es gibt eben auch diesen Fanatismus, der uns das Leben schwer macht. Bischöfe und Priester werden entführt oder gar getötet." Der 69-Jährige beobachtet, dass in den letzten Jahren das christenfeindliche Denken in seiner Heimat zugenommen habe.

Iraks Christen praktizieren ihren Glauben im permanenten Ausnahmezustand. "Ob die Regensburger Rede des Papstes, die Mohammed-Karikaturen oder öffentliche Koranverbrennungen – für alles, was irgendwo auf der Welt als islamfeindlich verstanden wird, müssen wir irakischen Christen die Rechnung bezahlen", sagt Shlemon Warduni und sagt: "Wir sind als Christen im Irak schon auf uns selbst gestellt".

Unterstützung aus dem Ausland

Damit das nicht so bleibt, kommt jetzt Unterstützung aus dem Ausland. Ende August trafen sich in Aachen irakische Bischöfe, Ordensleute und Politiker zu einer nicht-öffentlichen Irakkonferenz beim Internationalen katholischen Missionswerk Missio , um über die Planung eines Koordinationsbüros zu beraten. Ende des Jahres soll es im nordirakischen Erbil eröffnet werden und die Arbeit der katholischen Bistümer unterstützen – etwa in der gemeinsamen Sozial-  und Bildungsarbeit. "Viele Bischöfe dort wissen nicht, wie sie mit dem Westen umgehen sollen, wie sie Hilfe anfordern können", sagt Harald Suermann, Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts von Missio . Finanziert wird das Koordinationsbüro unter anderem von christlichen Hilfswerken, aber auch von der irakischen Regierung.

Drei Viertel aller irakischen Christen – so wie auch Warduni und Danka – gehören der Chaldäisch-Katholischen Kirche an. Sie sieht ihre Wurzeln im Urchristentum, das sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus von Israel in den heutigen Irak ausgebreitet hat. Dort lebten Christen mal besser, mal schlechter mit den anderen Religionen des Orient zusammen. In den Jahren unter Saddam Hussein wurde die christliche Minderheit sogar gefördert, weil sich das Regime ihre Unterstützung sichern wollte.