Nach dem schweren Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan ist die Zahl der Todesopfer auf 179 gestiegen. Etwa 7.000 Menschen seien verletzt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhu . Tausende Bergungskräfte suchen weiterhin nach Überlebenden. Bis zum Sonntagmorgen wurden 91 Menschen in den zerstörten Dörfern des Tibetischen Plateaus lebend aus den Trümmern geborgen.

Das Beben hatte sich am Samstag um kurz nach 8 Uhr chinesischer Zeit in der Nähe der Stadt Ya'an im Südwesten des Landes ereignet. Chinas Erdbebenwarte bezifferte die Stärke mit 7,0. Die amerikanische Erdbebenwarte USGS setzte die Stärke bei 6,6 an . In den ersten 24 Stunden nach dem Beben registrierte Chinas Erdbeben-Netzwerkzentrum 1.165 Nachbeben, von denen drei eine Stärke von 5,0 oder mehr erreichten.

Zerstörte Straßen und ein beschädigtes Handynetz erschwerten die Rettungsarbeiten. Am Sonntag erreichte ein erster Rettungstrupp die bislang abgeschnittene Gemeinde Baoxing. Luftaufnahmen von anderen Gemeinden in der Region zeigen eine verheerende Zerstörung.

Mindestens 10.000 Häuser stürzten ein, Erdrutsche richteten schwere Schäden an. Unterstützt von 17.000 Soldaten und Polizisten und fünf Aufklärungsdrohnen arbeiteten die Bergungskräfte rund um die Uhr, räumten Straßen frei, wühlten sich durch Trümmer, verarzteten die Verletzten. Ein Militärfahrzeug mit 17 Soldaten kam von der Straße ab, wobei ein Mann getötet wurde.

Im Krankenhaus von Lushan bricht der Zustrom der Ambulanzen nicht ab. Die meisten Opfer werden in rasch aufgestellten Zelten verarztet. Eine 68-jährige Patientin mit gebrochenem Arm schilderte einem Reporter der Agentur AFP ihren Schrecken, als die Erde plötzlich zu beben begann: "Es war, als würde der Berg lebendig." Jetzt wisse sie nicht mehr weiter, sie habe alles verloren.

"Zahl der Opfer minimieren"

Der neue Ministerpräsident Li Keqiang war am Samstag wenige Stunden nach dem Beben nach Sichuan gereist. Das Staatsfernsehen zeigte ihn vor einem Zelt-Dorf nahe der Gemeinde Lushan: "Unter der starken Führung der Partei und Regierung und so lange wir zusammenstehen und unsere Rettungsarbeiten gewissenhaft durchführen, können wir die Zahl der Opfer minimieren und das Desaster überwinden." Auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach den betroffenen Menschen jede erdenkliche Hilfe.

China zählt zu den am meisten von Erdbeben gefährdeten Ländern. Bereits 2008 hatte es in der Provinz Sichuan ein starkes Beben gegeben. Damals starben nach offiziellen Angaben 87.000 Menschen . Chinesische Erdbebenexperten stuften das Beben von Samstag jedoch als geringer ein.