Weibliche Abgeordnete in der Türkei dürfen künftig Hosen tragen. Der Geschäftsordnungsausschuss des Parlaments beschloss das Ende der bisher geltenden Rock-Pflicht, wie türkische Medien berichten. Demnach können Politikerinnen das Hohe Haus künftig in Jackett und Hose betreten. Der Ausschuss kam mit der Änderung einer seit Jahren erhobenen Forderung weiblicher Abgeordneter nach.

Ein Faktor bei der Entscheidung war die Wahl der beinamputierten Abgeordneten Şafak Pavey ins Parlament vor zwei Jahren. Der Anblick von Paveys nackter Beinprothese unter ihrem Rock hatte damals für Schlagzeilen gesorgt und Diskussionen über eine Änderung der Geschäftsordnung ausgelöst.

Pavey, die bei einem Zugunfall ein Bein und einen Arm verlor, hatte die Debatte befürwortet, zugleich aber einen offeneren Umgang der türkischen Gesellschaft mit Behinderungen gefordert.

Streit über Kopftücher

Die Kleiderordnung für türkische Abgeordnete ist strikt, so gilt etwa für Männer eine Krawattenpflicht. In den letzten Jahren sorgte ein anderer Aspekt für Diskussionen: Frauen dürfen im Parlament, wie auch in allen anderen öffentlichen Gebäuden, keine Kopftücher tragen. Zuletzt war aber Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğa n in Begleitung von seiner – verschleierten – Frau Emine bei einem Festakt im Parlament erschienen.

Die islamisch orientierte Regierung von Erdoğan hatte 2008 versucht, das Kopftuchverbot an Universitäten abzuschaffen. Das Verfassungsgericht kippte aber ein entsprechendes Gesetz .