Spitzenreiter, was die Familienhaushalte betrifft, sind mit jeweils 53 Prozent Baden-Württemberg und Bayern. Aber selbst dort, wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint, hat der Anteil abgenommen. Tradition und wirtschaftlicher Wohlstand mögen Kitt für Familien sein. Aber sie schützen nicht davor, dass sich das Leben verändert.

Sollte uns dieser Trend also beunruhigen? Nicht unbedingt! Kinder zu bekommen mag für viele eine Erfüllung und das Schönste im Leben sein. Aber es ist keine Pflicht. Ebensowenig, mit Kindern oder Eltern dauerhaft zusammenzuwohnen. Die Individualisierung hat zugenommen, viele schätzen es, für sich zu leben und dem Familienbund zumindest zeitweise zu entkommen. Wer wollte es ihnen vorwerfen?

Unerfüllter Familientraum

Schließlich sind Familien auch anstrengend. Eltern nerven, Kinder kosten Zeit und Geld. Experten haben errechnet, dass Eltern für ein Kind, bis es erwachsen ist, ungefähr den Gegenwert eines kleinen Einfamilienhauses aufbringen müssen, trotz der staatlichen Familienförderung. Daneben gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die ungewollt kinderlos bleiben. Sei es aus medizinischen Gründen, weil sie keinen passenden Partner finden oder weil sie sich (zu lange) nur um ihre Karriere kümmern. Nicht wenige leiden den Rest ihres Lebens darunter.

Das ist der tragische Aspekt. Denn junge Menschen geben, wenn sie nach ihren Lebensplänen gefragt werden, in der Regel stets mir deutlicher Mehrheit an, dass für sie Kinder dazu gehören. Aber immer häufiger bleibt dieser Wunsch unerfüllt – aus welchen Gründen auch immer.

Hier, und nur hier, liegt die Aufgabe aktiver Familienpolitik: Sie muss dafür sorgen, dass Frauen und Männer den Mut und die Möglichkeit finden, Kinder in die Welt zu setzen und Familien zu gründen – falls sie es wollen. In welchem Modell auch immer.