Behinderte Kinder und ihre Familien zählen weltweit zu den am stärksten benachteiligten und gefährdeten Menschen – zu diesem Ergebnis kommt der internationale Unicef-Jahresbericht "Zur Situation der Kinder in der Welt 2013" .

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern leben Kinder mit Behinderungen demnach oft isoliert und werden diskriminiert. In vielen Regionen würden sie als minderwertig angesehen und in Heimen untergebracht. Notwendige Medikamente und Hilfsmittel wie Rollstühle fehlten vielerorts.

Behinderte Kinder haben dem Bericht zufolge ein drei- bis viermal höheres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. In vielen Entwicklungsländern werden sie körperlich misshandelt. Es gebe Elektroschocks, Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen. Teils würden sie auch aus Aberglaube verfolgt und getötet.

Kinder mit Behinderungen "sichtbar machen"

Eine wichtige Ursache für schwere körperliche und geistige Behinderungen ist laut Unicef mangelhafte Ernährung. Weltweit würden 165 Millionen Kinder dadurch beeinträchtigt. Zwischen 250.000 und 500.000 Minderjährige drohen jedes Jahr zu erblinden, weil sie an Vitamin-A-Mangel leiden. Auch Blutarmut führt häufig zu Behinderungen – jedes zweite Kind im Vorschulalter leidet unter Anämie.

Wie viele Kinder mit Behinderungen es weltweit genau gibt, ist nach Unicef-Angaben unklar. Da sich viele Regierungen nicht um das Thema kümmerten, gebe es nur wenige verlässliche Informationen. Unicef geht davon aus, dass mehr als 93 Millionen Kinder mit einer mittleren bis schweren Behinderung leben.

Unicef-Direktor Tony Lake forderte, die Diskriminierung im Alltag zu überwinden. Wichtig sei es, Behinderungen frühzeitig zu diagnostizieren. Zudem müssten Familien mit behinderten Kindern besser gefördert werden, anstatt Kinder im Heim unterzubringen. "Wenn wir zuerst die Behinderung sehen, ist das nicht nur falsch für das Kind. Diese Sichtweise enthält der Gesellschaft all das vor, was dieses Kind ausmacht", sagte Lake. "Damit Kinder mit Behinderungen etwas zählen, müssen sie gesehen werden, bei der Geburt, in der Schule, im Leben."