Der am Sonntag festgenommene mutmaßliche Autobahnschütze hat nach Angaben der Ermittler aus Frustration auf fahrende Laster und Autos geschossen. Der 57-jährige Mann habe "Ärger und Frust im Straßenverkehr" als Motiv für seine Taten genannt, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke

Am frühen Sonntagmorgen war der Verdächtige an seinem Wohnort in der Nordeifel festgenommen worden. Den Ermittlern zufolge hat er mittlerweile zugegeben, der Schütze zu sein, der für die seit 2008 andauernde Tatserie verantwortlich ist.  

Der gelernte Werkzeugmacher hatte demnach selbst als Kraftfahrer für eine Spedition gearbeitet. Nach bisherigem Erkenntnisstand sei er als "frustrierter Einzelgänger mit einem Hass auf Personen" zu bezeichnen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder. Der Mann habe seine Schüsse als Selbstjustiz betrachtet und die Situation auf deutschen Autobahnen als eine Art Krieg bezeichnet.

Fünf Jahre lang hatte die Polizei nach dem Täter gesucht, der nach bisherigem Erkenntnisstand insgesamt 762 Male von der Autobahn aus auf Laster, Autos und Gebäude geschossen hatte. Eine Frau war dabei im November 2011 von einem Geschoss getroffen und schwer verletzt worden. Drei Mal entgingen Lkw-Fahrer zudem nur knapp einem Unglück, als Projektile die Seitenscheiben ihrer Fahrzeuge durchbrachen.

Aufwändiger Datenabgleich

Der Würzburger Staatsanwalt Dietrich Geuder kündigte an, der 57-Jährige werde sich wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Dem Fahrer werden auch Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Seit Oktober 2012 leitet das BKA die Ermittlungen. Nach einem aufwändigen Datenabgleich waren die Beamten in diesem Frühjahr auf die Fährte des Festgenommenen gekommen. Bei Durchsuchungen fanden die Beamten zwei Pistolen und einen Schießkugelschreiber sowie 1.300 Schuss Munition. Eine Pistole wurde den Angaben zufolge bereits als Tatwaffe zugeordnet. Bei den übrigen Waffen dauern die Untersuchungen noch an.

Kritik an Fahndungsmethode

Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner hat die Fahndung nach dem Autobahnschützen mit verdeckten Kennzeichen-Lesegeräten kritisiert. Wagner sagte, es gebe "für diese bundesweit erstmals eingesetzte Ermittlungsmethode aus Datenschutzsicht keine hinreichende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage". Millionen von unverdächtigen Personen würden ins Visier der Ermittlungsbehörde geraten. Positiv sei, dass die Daten – abgesehen von Ausnahmen – nach zehn Tagen gelöscht worden seien.

Wagner forderte mehr Informationen über den Einsatz ähnlicher Ermittlungen. Bei solch gravierenden Eingriffen, die zur Speicherung von fast 60 bis 80 Millionen Datensätzen unverdächtiger Menschen führten, hätten die Betroffenen einen Anspruch auf Information.