Die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess, Beate Zschäpe, soll Briefkontakt mit einem Gefangenen aus der rechten Szene haben. Wie Spiegel Online und SWR Info berichten, wurde ein 26-seitiger Brief von Zschäpe in der Zelle eines Strafgefangenen in Bielefeld gefunden.

In dem handschriftlichen Brief schreibe Zschäpe vor allem über persönliche Dinge wie den Alltag in der Haft. Nur an wenigen Stellen geht Zschäpe demnach auf das Ermittlungsverfahren gegen sie ein: So zweifelt sie an ihren Chancen auf einen fairen und unvoreingenommenen Prozess, da die Bundeskanzlerin bei einem Türkei-Besuch die vollständige Aufklärung der NSU-Affäre versprochen habe, berichtet Spiegel Online. Dafür, schreibe Zschäpe in dem Brief, müsste sie als öffentliches Gesicht herhalten.

Zschäpe kritisiere auch Innenminister Hans Peter Friedrich (CSU): Der habe im Fernsehen mit einer "nicht einmal mehr unterschwellig angedeuteten Vorverurteilung" die Anklage gegen sie mitgeteilt. Außerdem beklage Zschäpe, sie wäre bei ihrer ersten Vorführung beim Bundesgerichtshof erst auf die Kronzeugenregelung hingewiesen worden, als sie bereits von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht habe.

Den Adressaten des Briefes habe Zschäpe offenbar erst in der Untersuchungshaft kennengelernt. Es soll sich um einen 28-jährigen Straftäter handeln, der bis zu seiner Inhaftierung im Jahr 2007 der rechten Szene in Dortmund angehörte.
Der Inhalt des Briefs habe die JVA-Leitung dem nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz übermittelt, der habe auch das Polizeipräsidium Dortmund über den Briefkontakt informiert.

Zschäpe soll gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gebildet haben. Die Terrorgruppe wird für zehn Morde verantwortlich gemacht.