Die Hochwasserlage hat sich im Süden und Osten Deutschlands weiter verschlimmert. Mehrere Städte und Landkreise in Bayern , Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus . Tausende Menschen wurden bis zum frühen Morgen aus überschwemmten Gebieten in Sicherheit gebracht.

Kanzlerin Angela Merkel sicherte den vom Hochwasser am stärksten betroffenen Ländern die "volle Unterstützung" zu. Dabei soll im Laufe des Tages auch die Bundeswehr zum Einsatz kommen. So sollen etwa im bayerischen Berchtesgaden 100 Soldaten die Einsatz- und Rettungskräfte unterstützen. In Bischofswiesen und in Straubing stellte sie bereits Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung, in Bad Reichenhall half sie mit trockener Kleidung für Evakuierte aus.

In den Hochwassergebieten wurden im Laufe der Nacht vielfach historische Höchstmarken überschritten. "Für die Donau erwarten wir am Mittag den historischen Höchststand von 12,55 Meter", sagte ein Sprecher des Krisenstabes in Passau. Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. In einigen Häusern wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt.

"Noch nie dagewesen"

So wie in Passau stehen in Bayern viele Straßen unter Wasser. Inzwischen wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst, darunter in Passau, Rosenheim und dem Berchtesgadener Land. Ministerpräsident Horst Seehofer rechnet mit dem Schlimmsten: "Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", sagte der CSU-Politiker am Sonntagabend. Seine Regierung richtete ebenfalls einen Krisenstab ein. An vielen Schulen in Bayern soll zu Beginn der Woche der Unterricht ausfallen.

Auch der Osten Deutschlands ist vom Hochwasser stark betroffen. In Sachsen hat das Hochwasser von Weißer Elster, Mulde und Chemnitz bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Auch hier riefen mehrere Landkreise Katastrophenalarm aus, es sollen vielerorts die Schulen geschlossen bleiben und Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz kommen.

Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde, wo die Behörden ebenfalls davon ausgehen, dass die Pegelstände des sogenannten Jahrhunderthochwassers von 2002 übertroffen werden könnten. "Davon ist auszugehen", teilte der Landkreis Nordsachsen am Sonntag mit.

Während auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt Hunderte Menschen evakuiert werden mussten, hat sich die Lage in Baden-Württemberg entspannt. Dennoch ist der Schiffsverkehr auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar auch weiterhin gestoppt. Am Mittelrhein wurden zudem weitere Überschwemmungen erwartet.

Österreich, Schweiz und Tschechienebenfalls betroffen

Auch einige Nachbarländer waren von Überschwemmungen betroffen. Am Abend rief die Regierung in Prag den Notstand aus und will rund 200 Soldaten bereitstellen. An mehr als 50 Orten galt die höchste Warnstufe, die Prager Altstadt könnte von der Moldau überflutet werden.

In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen, in Österreich war der an Bayern grenzende Innkreis besonders stark betroffen. An der Donau droht bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des "Jahrhunderthochwassers" von 2002. Bislang gab es mindestens einen Toten durch Überflutungen.