Die auf der Elbe und ihren Nebenflüssen nahende Flutwelle hat Sachsen und Sachsen-Anhalt mit voller Wucht getroffen. Die Wassermassen überfluteten Städte und könnten durchwässerte Deiche eindrücken. Besonders kritisch ist die Lage in Halle , wo nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt etwa 30.000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert wurden. Die Saale hat einen Wasserstand von 8,07 Metern erreicht. Das ist der höchste seit 400 Jahren in der Stadt. Normal liegt der Pegelstand dort bei knapp zwei Metern.  

Die Stadt Halle sei "der Schwerpunkt" des Geschehens, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs in Magdeburg . An der Saale wurde ein Damm aufgegeben, der den Vorort Neustadt schützen sollte. Die Wassermassen ergossen sich in die Straßen, die Behörden riefen die Bürger zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Auch in der Innenstadt auf der anderen Seite der Saale standen Straßen unter Wasser. In anderen Regionen des Landes sei die Situation ebenfalls ernst, teilte der Krisenstab mit. Acht Landkreise und Städte hätten Katastrophenalarm ausgelöst.

Auch Sachsen ist schwer getroffen . Im Landkreis Nordsachsen mussten nach Angaben der Kreisverwaltung zwei Ortschaften zwangsevakuiert werden. In Dresden kämpften die Einsatzkräfte weiter gegen die steigenden Pegel . Die Behörden begannen mit Evakuierungen in weiteren Stadtteilen, etwa 1.000 Menschen sind bisher von den freiwilligen Maßnahmen betroffen. Die Einwohner der Stadt haben neben dem Elbhochwasser auch mit steigendem Grundwasser zu kämpfen. Nach wie vor gilt die höchste Hochwasserwarnstufe. 

Weiter flussabwärts bereitete sich Magdeburg auf steigende Pegel vor. Dort wird der Höhepunkt der Flut am Wochenende erwartet. Evakuierungen seien aber wohl nicht nötig, teilte die Stadtverwaltung mit. In Bitterfeld in Sachsen-Anhalt wurden unterdessen Dämme verstärkt. Dort ist die Lage nach Angaben der Behörden weiter kritisch.

  Pegel in Brandenburg steigen

Zunehmend bedrohlich entwickelte sich auch die Hochwasser-Lage in Brandenburg . In Arnsnesta im Elbe-Elster-Gebiet an der Grenze zu Sachsen-Anhalt brach in der Nacht zu Mittwoch ein Deich, teilte das Potsdamer Innenministerium mit. Für die Gegend befürchteten die Behörden nach eigenen Angaben höhere Wasserstände als bei der sogenannten Elbe-Jahrhundertflut von 2002

In den Hochwassergebieten im Osten Bayerns blieb die Lage zum Teil noch kritisch. Besonders ernst war es im Landkreis Deggendorf, wo nach Angaben des bayerischen Innenministeriums der höchste jemals gemessene Donau-Wasserstand erwartet wurde. Mehrere Ortschaften mit etwa 6.000 Menschen wurden geräumt. 

In Mittelfranken wurde ein 77 Jahre alter Mann tot aus einem Hochwasser führenden Fluss geborgen. Passanten hätten den leblosen Körper bereits am Montag bei Allersberg in der Kleinen Roth gefunden, berichtete eine Nürnberger Polizeisprecherin. Eine Obduktion habe ergeben, dass der Mann einen Infarkt erlitten habe und daher wahrscheinlich nicht als Hochwasseropfer einzustufen sei, hieß es aus Sicherheitskreisen.

In anderen Gebieten entspannte sich die Lage etwas: Am Morgen lag der Scheitelpunkt der Donau ungefähr im Bereich Straubing östlich von Regensburg . Weiter flussabwärts ist Passau besonders betroffen, wo die Innenstadt überflutet wurde. Dort münden die Flüsse Inn und Ilz in die Donau. Die Behörden hoffen, dass die Wassermassen bis zum Wochenende abfließen.