Angesichts drohender Todesfälle beim Hungerstreik von 50 Asylbewerbern in München sollen der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel und der ehemalige CSU-Politiker Alois Glück vermitteln. Das kündigte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einem Krisentreffen in der Staatskanzlei an.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) unterstützte die Entscheidung. "Bei derart schwierigen Entscheidungen, bei denen es nicht rhetorisch, sondern tatsächlich möglicherweise schon in kurzer Zeit um Leben und Tod geht, ist es gut, wenn es einen breiten Konsens gibt", sagte Ude.

Die Asylbewerber aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern fordern die sofortige Anerkennung ihrer Anträge auf Asyl . Das Angebot einer Schnellprüfung innerhalb von zwei Wochen hatte ihr Sprecher Ashkan Khorasani, der selbst nicht hungert, abgelehnt.

Seit einer Woche verweigern die Hungerstreikenden die Nahrungsaufnahme, seit Dienstag trinken sie nichts mehr. Vor dem Krisentreffen verweigerten die Unterstützer erneut Ärzten den Zutritt zu dem kleinen Zeltlager in der Münchner Innenstadt. Erst am Abend wurde dann wieder einem Arzt der Zutritt gestattet, der einen Mann ins Krankenhaus bringen ließ. Das Hungercamp wird von mehreren Polizisten überwacht. Wie in den Vortagen lieferten sich Passanten Wortgefechte.

"Holger Meins auf den Straßen Münchens"

Der Sprecher der Gruppe hatte am Freitag in einer mit "Unsere letzte Nachricht" betitelten Erklärung mit Toten gedroht: "Entweder die Erfüllung der exakten Forderung der hungerstreikenden Asylsuchenden oder Bobby Sands und Holger Meins auf den Straßen Münchens." Sands und Meins waren Terroristen von IRA und RAF , die sich 1981 beziehungsweise 1974 zu Tode gehungert hatten.

Ude betonte, dass der Krisenstab von Stadt und Staatsregierung Tote in München verhindern will. "Der absolute Vorrang gebührt dem Schutz von Leib und Leben." Eine Zwangsräumung des Lagers durch die Polizei wollen die Behörden aber vermeiden. Das Demonstrationsgeschehen sei rechtmäßig, sagte Ude.

Die Behörden vermuten jedoch, dass zumindest einige der hungernden Asylbewerber von Khorasani und seinen Helfern für politische Zwecke benutzt werden. Die Rädelsführer hätten sich selbst auf eine Ebene mit Terroristen gestellt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Ich bin persönlich nicht überzeugt, dass das dem Bewusstsein und dem Willen aller Teilnehmer dieser Aktion entspricht und dass sie sich überhaupt bewusst werden, wie sie politisch vereinnahmt werden", sagte Herrmann.