Was geht in Beate Zschäpe vor, als sie ihr früheres Heim in Flammen aufgehen sieht? Die Fotos, die auf Projektionswänden im Gerichtssaal zu sehen sind, zeigen Feuerbälle, die aus den Fenstern bis hoch zum Dach schießen. Zschäpe sieht das riesige schwarze Loch, das der Brand ins Haus gerissen hat, da, wo früher das Wohnzimmer war, darüber das nackte Dachgerippe, darunter ein Berg aus Ziegeln und Holzlatten. Mal verschränkt sie die Arme und schaut hin, mal beschäftigt sie sich mit ihrem Laptop. Eine Regung lässt sie sich nicht anmerken. Doch es wirkt nicht, als langweilten sie die Bilder.

Am 15. Tag des NSU-Prozesses sind nur zwei Zeugen geladen – sie sollen die letzte Handlung der NSU-Gruppe aufklären: den Brand in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau. Am 4. November 2011 soll Zschäpe kurz nach 15 Uhr das Mehrfamilienhaus angezündet haben, nachdem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem gescheiterten Banküberfall in Eisenach selbst getötet hatten. Hier, in einer ruhigen Wohngegend, war die letzte Wohnung der drei – ihre siebte Wohnung im Untergrund, wie die Ermittler rekonstruiert haben. 

Ein entscheidendes Fragment für die Anklage ist die Wohnung nicht nur, weil hier unter anderem zwölf Schusswaffen und etliche belastende Computerdateien und Dokumente gefunden wurden. Die Skizzen und Fotos, die Aussage der Ermittler – all das gewährt Einblicke in den Alltag mutmaßlicher Terroristen. Seit April 2008, also etwa ein Jahr nach dem letzten Mord, führten Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hier ein bürgerliches Leben mit Katzen, Plastikblumen und einem Laufband fürs Fitnesstraining.

Tausende Tonnen Schutt nach Beweisen durchsiebt

Die erste Aussage macht der Hundeführer Jens S., der mit Leichen- und Brandmittelspürhunden durch das Haus ging. In dem Gebäude wohnte damals unter anderem eine schwerbehinderte Frau, die neun Minuten nach der ersten Benzinexplosion von ihren Nichten aus dem Haus gerettet wurde. Weil Zschäpe davon ausgegangen sein müsste, dass sich noch Menschen im Haus befinden, ist sie auch wegen versuchten Mordes durch Brandstiftung angeklagt. Der Leichenhund fand nichts im Haus, die Brandmittelhunde witterten hingegen an 22 Stellen in der Wohnung Benzinreste.

Im Anschluss sagt der Brandermittler Frank L. aus. Er ist der Mann, der einen Monat lang die Ermittlungen leitete und Bereitschaftspolizisten Tausende Tonnen von Schutt durchsieben ließ. Jeden Papierschnipsel aus der Wohnung, durch die fast sieben Stunden dauernden Löscharbeiten mit Wasser durchtränkt, ließ er zum Trocknen in die Garagen der Zwickauer Polizeidirektion bringen. Der 56-Jährige mit graumeliertem Haar und sorgfältig gezogenem Schnurrbärtchen sezierte die letzte Bleibe der mutmaßlichen Terroristen.

L. zeigt die Fotos des Hauses: Die Fassade, hinter der sich die Gruppe verschanzt hatte, war hellgelb. Vor der Haustür auf der hinteren Seite des Gebäudes ein Briefkasten mit den Namen "Dienelt" und "Burkhardt" – die Tarnnamen der drei, die sie von Unterstützern geliehen hatten. Mit deren Identität mieteten sie auch die Wohnung, vor den Nachbarn benutzten sie verschiedene ausgedachte Vornamen.