Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist erfolgreich untergetaucht. Der in Moskau vermutete Whistleblower befand sich nicht wie erwartet an Bord eines Flugzeugs nach Kuba , von wo aus er angeblich nach Ecuador reisen wollte. Snowden habe Russland aber verlassen, berichteten mehrere russische Medien. Anderen Meldungen zufolge halte er sich noch im Transitbereich des Flughafens in Moskau auf.

Nach Angaben des WikiLeaks-Mitbegründers Julian Assange ist Snowden außer Gefahr. Snowden und die ihn begleitende britische Journalistin Sarah Harrison seien beide "gesund und in Sicherheit", sagte Assange telefonisch, ohne sich zum Verbleib des 30-Jährigen zu äußern. Weitere Angaben könne er nicht machen, sagte Assange, der sich derzeit in der Botschaft Ecuadors in London aufhält.

Snowden hatte sich die vergangenen Tage in Hongkong aufgehalten und war von dort aus weiter nach Moskau gereist. Die chinesischen Behörden hatten ihn ausreisen lassen , obwohl es ein Gesuch der USA gab, ihn festzunehmen. Die US-Regierung in Washington hatte auch Russland aufgefordert, Snowden nicht entkommen zu lassen. Sie will ihn wegen Geheimnisverrats festnehmen. Er hatte offengelegt, wie der US-Geheimdienst NSA das Internet mit geheimen Programmen namens Prism und Tempora ausspäht. 

Der Verbleib Snowdens hat zu diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Russland sowie China geführt. Außenminister John Kerry warnte China und Russland vor Konsequenzen für die gegenseitigen Beziehungen. Es wäre "zutiefst beunruhigend", wenn die Länder von den Reiseplänen Snowdens gewusst und wissentlich gegen gesetzliche Standards verstoßen hätten, sagte Kerry.

Für eine Festnahme und eine Auslieferung an die USA sehe Russland allerdings keinen Grund, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin. "Die Amerikaner können nichts fordern. Wir können ihn übergeben – oder wir können ihn nicht übergeben."

Snowden will angeblich in Ecuador Asyl erhalten. Das Land gewährt bereits dem WikiLeaks-Gründer Assange politisches Asyl. Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Auch er befürchtet, an die USA ausgeliefert zu werden. Seine Regierung lasse sich bei der Prüfung von den Prinzipien der Verfassung Ecuadors und den international anerkannten Menschenrechten leiten, sagte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño. Die Verfassung seines Landes garantiere das Asylrecht und schließe eine Auslieferung aus. Seine Regierung sei sich im Fall einer Asylgewährung möglicher Konsequenzen für die Beziehungen zu den USA bewusst.