Die Maschine in Richtung Kuba ist pünktlich in Moskau gestartet, aber ohne den US-Whistleblower Edward Snowden an Bord. Wie der britische Guardian unter Verweis auf Korrespondenten schreibt, ist der 30-Jährige nicht unter den Passagieren des Aeroflot-Flugs mit der Nummer SU150. Die russische Fluggesellschaft bestätigte das. Nach Angaben von Interfax hat Snowden Russland aber verlassen: Er sei offenbar an Bord eines anderen Flugzeugs gegangen, meldete die Nachrichtenagentur unter Berufung auf russische Sicherheitsbehörden.

Von Kuba aus sollte Snowden eigentlich seine Reise in Richtung Ecuador fortsetzen. Das jedenfalls hatten zahlreiche Medien zuvor gemeldet. Der frühere Geheimdienstmitarbeiter hat in Ecuador Asyl beantragt.

Seine Regierung lasse sich bei der Prüfung von den Prinzipien der Verfassung Ecuadors und den international anerkannten Menschenrechten leiten, sagte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño. Die Verfassung seines Landes garantiere das Asylrecht und schließe eine Auslieferung aus. "Man spricht von Verrat, man muss sich fragen, wer wen verraten hat, wenn jemand seine Mitbürger über die Gefahren warnt, die uns alle bedrohen", sagte der Außenminister. Seine Regierung sei sich im Fall einer Asylgewährung möglicher Konsequenzen für die Beziehungen zu den USA bewusst.

Snowden hatte sich die vergangenen Tage in Hongkong aufgehalten und war von dort aus weiter nach Moskau gereist. Die chinesischen Behörden hatten ihn ausreisen lassen, obwohl es ein Gesuch der USA gab, ihn festzunehmen. Die US-Regierung in Washington hatte auch Russland aufgefordert, Snowden nicht entkommen zu lassen.

Dafür sahen die russischen Behörden nach eigenen Angaben aber keinen Grund. "Die Amerikaner können nichts fordern. Wir können ihn übergeben – oder wir können ihn nicht übergeben", hatte der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, gesagt.

Die USA kritisierten die Reisefreigabe für Snowden. Außenminister John Kerry warnte China und Russland vor Konsequenzen für die gegenseitigen Beziehungen. Es wäre "zutiefst beunruhigend", wenn die Länder von den Reiseplänen Snowdens gewusst und wissentlich gegen gesetzliche Standards verstoßen hätten, sagte Kerry.

Die USA wollen den früheren Geheimdienstmitarbeiter Snowden wegen Geheimnisverrats festnehmen. Er hatte offengelegt, wie der US-Geheimdienst NSA das Internet mit geheimen Programmen namens Prism und Tempora ausspäht. Nach Angaben der Enthüllungsplattform WikiLeaks wird Snowden auf seiner Reise von Diplomaten und Rechtsberatern begleitet.